LKWKonvoi der Hoffnungweltkugel

Burkina Faso - Ein Staudamm für 5.000 Bauernfamilien

In der Nacht hatte es heftig geschüttet, über der Savanne von Ouagadougou ging ein Wolkenbruch nieder. Das war der lang erhoffte Anfang der Regenzeit. Das Blechdach über meinem kleinen Hotel ‚Le Palmier‘ in Ouagadougou bog sich im Sturm.

Am Morgen nehmen wir die Nationalstraße in Richtung Elfenbeinküste und biegen nach einer Stunde in die Felder ab. Die Erdpiste ist verschlammt und voll knöcheltiefer Pfützen. Wie lange haben sie in der Savanne auf diesen ersten Regen gehofft.

2016062002-komki-ipala-staubecken Und jetzt glauben wohl nicht wenige, daß wir Weißen ihn als Geschenk mitgebracht haben. Die ‚Blancs‘ haben schließlich ihre mächtigen Geister!

Auf den Feldern wird gepflügt. Die Bauern bereiten die Aussaat von Hirse und Mais vor. Und die Kinder arbeiten von frühauf mit, dafür sind schließlich große Ferien.

Ich bin gespannt, wie die Kleinbauern von Komki den Stausee nützen, der mit Hilfe des KONVOI der HOFFNUNG vor einem Jahr entstanden ist. Nach drei Jahren Vorbereitung, vielen Spendenaufrufen und Zuschüssen des BMZ (Engagement Global) war der hundert Meter lange Damm fertig. Er staut die gewaltigen Regenmengen in der Talsenke von Bargo, Regen, der früher fast ungenutzt südwärts strömte.

Jetzt bildet sich da im Juni ein Quadratkilometer großer See. Und wo bisher acht Monate lang Trockenheit war. kann nun fast das ganze Jahr über ausgesät und geerntet werden. Erst auf dem Höhepunkt der Hitzeperiode im Februar und März des kommenden Jahres werden die letzten Wasser verdunsten.

2016062001-komki-ipala-staubeckenEin Dutzend Vertreter des Bauernvereins AJK erwarten uns. Von den Älteren spricht kaum einer Französisch. Mein Freund, der Lehrer Prosper Nikiema, übersetzt die Gespräche ins einheimische Moré.

Keiner der Bauern wusste, was ihn nach der Fertigstellung des Damms erwartete: wieviel Wasser da zusammen käme und ob es in der Tropenhitze am Ende völlig verdunsten oder versickern würde. Die Mutigen begannen, sich auf zwei Aussaaten einzurichten. Sie kauften Saatgut und Pflänzlinge und legten Komposthaufen an für biologische Düngung.

2016062003-komki-ipala-staubecken Der Bauer Lassane Nikiema (45) erzählt, wie er sich früher allein durchschlagen musste. Sein Feld warf nur eine Ernte im Jahr ab und der Ertrag reichte nicht, die vielköpfige Familie zu versorgen. Er hat zwölf zum Teil schon erwachsene Kinder. Schon in den ersten zehn Monaten nach der Fertigstellung des Dammes rang er dem 1,5 Hektar großen Feld zwei Ernten ab; und wenn es diesmal wieder üppig regnet, könnten es drei werden, sagt er.

Die ältesten Söhne hatten sich mangels Arbeit schon in die Großstadt Ouagadougou abgesetzt, wo sie sich recht und schlecht durchschlugen. Zwei von ihnen planten, nach Europa abzuwandern. Sie sind inzwischen aus der Stadt zurückgekehrt und arbeiten an seiner Seite auf den Feldern. Seine übrigen vier Kinder sind noch zu klein, doch sie gehen alle zur Schule.

François Kombo baut vor allem Tomaten, Zwiebeln, Lauch und Krautköpfe an und verkauft sie auf dem Markt der nahen Kreisstadt Kogologo. Schon mit den Einnahmen aus der ersten Ernte, rund 1500 €, konnte er seine Familie das ganze Jahr versorgen. Sie halten auch Hühner und Schweine und sind Selbstversorger.

Im nahen Stausee quaken Ochsenfrösche; zur Überraschung der Bauern waren in der letzten Regenzeit sogar zwei Krokodilsfamilien aufgetaucht, die beim Austrocknen des Sees wieder verschwanden.

2016062004-komki-ipala-staubecken Der Jungbauer Francois Ilboudo (30) ist begeistert: „Wir haben jetzt viel bessere Erträge und Einkommen als früher; da sind wir mangels Wasser monatelang untätig herum gehockt. Jetzt geht uns die Arbeit nicht mehr aus“. Er hat eine Frau und vier kleine Kinder. Seine Parzelle von ebenfalls einem Hektar liegt gleich hinter dem Damm. „Ich habe im ersten Jahr tausende Säcke Kraut geerntet und auf dem Markt von Ouagadougou verkauft. Mit den Einnahmen aus der zweiten Ernte habe ich dann die Anzahlung für den kleinen Lieferwagen da drüben gemacht“.

Er führt uns über den Damm zu seinem Haus, hinter dem das gebrauchte Auto steht. Mit dem fährt er auch Erträge der Nachbarn zu Markt, man hilft sich gegenseitig. Alle sind Mitglieder des Bauernvereins AJK.

Als der Damm fertig war, in der Trockenzeit, hatten wir zwei Agrartechniker aus der Hauptstadt geholt, die jeweils fünfzig Bauern eine profunde Schulung über ertragreichen Anbau boten. Welche Gemüse zu welcher Zeit, wie man sie richtig bewässert und biologisch düngt und vor Plagen schützt. Es war für alle eine wertvolle Fortbildung.

2016062005-komki-ipala-staubecken Jonas Nikiema, ein anderer Jungbauer, baut vor allem Zwiebeln an. Auch er hatte im ersten Jahr zwei Ernten und rechnet nun mit drei, da er mit der neuen Situation – Boden, Wasser, Saatgut, Kompost - bestens klar kommt.

2016062006-komki-ipala-staubecken Daniel Nikiema (61) kommt über den Damm herüber. Ich hatte ihn zu Beginn des Dammbaus vor zwei Jahren kennen gelernt. Er ist ein kerniger Typ mit festem Händedruck. Im Schatten der Bäume vor seiner Hütte hatte er mir damals stolz von seiner großen Familie erzählt, von seinen zehn Kindern, die alle zur Schule gegangen sind, acht von ihnen bereits erwachsene Söhne. Da seine 1,5 ha Land nicht alle ernährten, gingen die acht auf Arbeitssuche in die Gold- und Kupferminen von Burkina Faso.

Die Lage hat sich mit dem Staudamm erheblich verbessert. Auch er pflanzt hauptsächlich Kohl an, daneben Gurken und Tomaten. Die Söhne sind gelegentlich nach Hause gekommen und waren erstaunt über den sozialen Wandel in Komki. Einer ist sogar geblieben; er arbeitet nun täglich mit seinem Vater auf dem Feld. Die anderen wollen erst mal sehen, wie es weitergeht mit den Erträgen und sind nicht abgeneigt, nach Hause zurückzukehren. Denn die Fronarbeit in den wilden Goldminen im Busch ist gefährlich und schlecht bezahlt. Zwei von Daniels Söhnen planten sogar, sich mit ihren Ersparnissen auf den Weg nach Europa zu machen. Denn hier in der Savanne sahen sie keine Zukunft mehr.

Am Rande des Damms, im Schatten der Bäume, schildern Sie offen ihre Erfahrungen aus dem ersten Jahr. Der 61-jährige André bebaut ein Stück Land zwei Kilometer hinter dem See. Wir hatten zunächst befürchtet, daß er wie viele andere Kleinbauern einer der Verlierer des Dammbaus sein würde. Denn er müsste das Wasser über eine zu große Distanz heranschleppen; und das mehrmals täglich und eimerweise.

2016062007-komki-ipala-staubecken Doch nun zeigt sich, daß sie die eigentlichen Gewinner des Projekts von Komki sind. Denn jeder hat einen Schöpfbrunnen auf seinen Feldern; und diese Schächte füllen sich mit Beginn der Regenzeit im gleichen Maße, wie der Grundwasserspiegel steigt. Und wenn auf dem Höhepunkt der Trockenzeit im Februar der See austrocknet sind die oft dreißig bis vierzig Meter tiefen Brunnen noch zur Hälfte voller Wasser und erlauben die weitere Bewässerung der Felder. Ganz zu schweigen von den Viehhirten in der Gegend, deren Weiden nun länger grün sind. Schon nach dem ersten Jahr haben sich viele ein paar Ziegen und Rinder hinzugekauft und die Herden vergrößert.

Bevor sich die Runde auflös,t vereinbaren wir, zu Beginn der nächsten Trockenzeit im Februar den Staudamm gebührend einzuweihen und mit den Bewohnern zu feiern. Denn es gibt ja nun viele gute Gründe dafür. Schließlich muss man nach den guten Ernten "den Geistern ein großes Opfer bringen".

Ouagadougou, 23.Juni 2016

Rolf Pflücke

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