Archiv für Dezember 2009

23.12.2009 | Fröhliche Weihnachten …

Das Konvoi-Team dankt allen Spendern und allen Mitmenschen, die zum guten Gelingen unserer Hilfsaktionen im Jahre 2009 beigetragen haben und wünscht

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN UND VIEL GLÜCK, GESUNDHEIT                                            UND GOTTES SEGEN IM NEUEN JAHR !

17.12.2009 | Frauenpower in Saaba

Das Mädchen in der vorderen Schulbank der zweiten Klasse: aufgeweckt, neugieriger Blick. Als ich die Kinder frage, was sie mal werden wollen, hebt Fatima als erste den Finger: „Polizistin“. Klar, beim Staat bekommt man Essen, Kleidung und Unterkunft gratis. Für die Eltern dieser armen Kinder gibt es nichts Wichtigeres.

Saaba Sch  ler 12 09 1                                       Fatima, erste Klasse

Wir sind in der kleinen Dorfschule von Saaba, östlich von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Drei Klassenzimmer, aus Lehmziegeln erbaut, mit billigen Wellblech gedeckt. Saaba ist binnen weniger Jahre aus dem Nichts entstanden. Ein typisches Zuwandererdorf – ohne Wasser, Strom und Krankenstation. Eine wilde Siedlung also.
Die 450 Einwohner sind zumeist Schmiede, in Burkina Faso ist das eine angesehene Zunft – doch sie leben von Gelegenheitsarbeiten. Ihre Hütten sind erbärmlich, nackte Lehmwände, offene Fensterhöhlen, ein billiges Blechdach. In den Sommermonaten unerträglich heiß, im Winter bei Nacht bitter kalt. Brutstätten von Ungeziefer und Krankheiten.
Freund Prosper hatte uns eines Morgens dorthin geschleppt – mit einem Hintergedanken, wie sich zeigte. Die Schule hatte er mit ein paar Dorfbewohnern und einem Bankkredit von 2000 € eigenhändig gebaut. Nun aber war ihnen das Geld ausgegangen. Es reichte gerade noch für ein billiges Blechdach und ebenso einfache Fenster und Türen.

Saaba Schule 12 09 1                       Die Dorfschule – aus Lehmziegeln

Die Eltern brachten mit Mühe das Geld zusammen – rund 30 € pro Kind fürs erste Schuljahr – dass drei Lehrerinnen angeheuert werden konnten; eine für jede Klasse. Die Kinder haben weder ein Pausenbrot noch Geld für Wasser. Doch mit leerem Magen studiert sich’s auch hier nicht.

Saaba Prosper 12 09 1                 Freund Prosper kauft Schulhefte

Also fahren wir tags darauf noch einmal hin, im Auto drei Plastikfässer, 100 Trinkbecher und ebenso viele Schulhefte und Bleistifte. Mangels Schreibutensilien nutzen die Lehrerinnen Cola-Deckel zum Rechnen). Und wir hinterlassen genügend Geld, damit die Wassertonnen einen Monat lang täglich aufgefüllt werden können.
Die Mütter der Schulkinder sind überglücklich. Und sie gestehen mir ihren größten
Wunsch: „Monsieur, wir würden gern selber lesen und schreiben lernen und wenn
möglich auch einen Beruf: Seifeherstellen oder Tuch weben..“
Das gehe aber nur abends – weil sie alle tagsüber zuviel Arbeit haben. Mit anderen Worten: Die Schule brauche einen Raum mit elektrischem Licht.
Zurück in der Hauptstadt rufe ich einen Elektriker an und bitte ihn um den
Kostenvoranschlag für ein simples Solardach: eine Paneele, 40 Watt,
Transformator und Batterie für drei Energiesparlampen. Es ist billiger als ich dachte: rund 500 €. Stromerzeuger mit Diesel sind jetzt out in Afrika, denn Solarenergie tut’s ohne laufende Kosten und Mühen. Diesel müsste ja ständig im Eselkarren beigeschafft werden. Außerdem schont Solarenergie die Umwelt.

Dazu die Kosten für eine Grundschul- und eine Gewerbelehrerin (vier Monate), alles zusammen etwa 1000 €.

Saaba Schulspeis. 12 09 1                                              Frauen backen Erdnusskringel

Das Solardach und die Energiesparlampen könnten bis Mitte Dezember montiert werden, die Abendschule für die 25 Frauen noch vor Weihnachten beginnen. Sie würde bis Mai dauern, bis zur nächsten Regenzeit; danach sind die Frauen wieder bei der Aussaat auf den Feldern .
Wir möchten sie bei der Alphabetisierung und gewerblichen Schulung unterstützen, um ihren Familien die Existenzgrundlage zu sichern.
Das könnten wir mit mehr Hilfe auch in den ebenso armen Nachbarorten. Denn überall drängen die Frauen heute in die Schulen, wollen lesen und schreiben lernen und Handarbeiten wie Weben und Seifesieden. Doch nirgendwo in der Savanne gibt es Mittel und Einrichtungen dafür.
(Dr. Rolf Pflücke, 7.12.09)

16.12.2009 | Baumaterial für Osteuropa

Dank einer riesigen Spende der Fa. Baumit Bayosan in Hindelang konnten wir zwischen dem 24. November und 16. Dezember drei große Lastzüge Bau- und Isoliermaterial nach Osteuropa liefern.

Zunächst wurde ein Lastzug in der NL-Aldingen geladen und zu den ehemaligen „Donau-Schwaben“ nach Mucsi geliefert. Dort werden Kindergarten und Gemeindehaus außen saniert, um Kälte und Feuchtigkeit aus den Räumen zu halten. Dann brauchen die Kinder im Winter hoffentlich nicht mehr die Mützen im Kindergarten aufbehalten.

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Der zweite LKW ging am 8. Dezember direkt von der NL-Biblis in die selbe Region nach Sagetal (Szagadát), wo ebenfalls ein Kindergarten, eine Altentagesstätte sowie das Kulturhaus saniert werden. Aber auch eine Sozialwohnung in diesem „Wohnhaus“ (unten) muss renoviert werden.

Neues Haus der Familie V 1

Der dritte Lastzug ging heute direkt von der NL-Landsberg/Lech zu den ehemaligen „Karpaten-Deutschen“ nach Mátészalka in Nordost-Ungarn. Das Krankenhaus der Johanniter-Unfallhilfe hatte 2004, durch die Überschwemmung der Theiß, starke Hochwasserschäden erlitten. Diese sollen gleich im Frühjahr durch die gespendeten Bau- und Isoliermaterialien behoben werden.

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Das Krankenhause liegt an der ukrainischen Grenze. Viele grenznahe, ukrainische Eltern bringen ihre kranken Kinder im Spätjahr zu den Johannitern, die nach ungarischem Gesetz diese nicht abweisen dürfen. Manche Eltern sind so arm, dass sie monatelang ihre Kinder dem Krankenhaus überlassen und diese erst im Frühling wieder abholen können.

Herzlichen Dank der Fa. Baumit Bayosan aber auch der Landesstiftung Baden-Württemberg, die für diese – wie für alle Transporte nach Osteuropa – die Hälfte der Transportkosten übernommen hat.

14.12.2009 | Besuch beim kleinen König

Der Ort Gonsé liegt eine halbe Fahrstunde nördlich von Ouagadougou mitten in der Savanne. 2.800 Einwohner, 500 Schulkinder. Ein Dorf von Hirsebauern und eine große Anzahl wissbegieriger Landfrauen, die endlich lesen und schreiben lernen wollen.

Gons   Frauen 12 09
Lehrer Leonard hatte sich mit der Bitte an uns gewandt, ihm bei der Frauen-Bildung
zu helfen. Und er fügte auch gleich einen Kostenvoranschlag bei: Knapp 1.000 € solle alles kosten. Die kleine Solaranlage (40 W) auf dem Schuldach, der Umwandler, die Batterie – und zwei Neonlampen, die den ausgesuchten Schulraum notdürftig beleuchten. Nicht teuer.
Der Chef des örtlichen CvD – Komitee zur Dorfentwicklung – holt uns an der Sandpiste vor dem Dorf ab und fährt mit seinem Moped voraus. Unter einem schattigen Karitébaum nahe der Schule warten schon die ‚Notablen’ – Gemeinderäte, CvD-Mitglieder und die Gesandten des Naba. Dutzende Hände strecken sich uns entgegen.
Kaum haben wir Platz genommen, da naht der kleine König.
Würdevoll mit Fez und Boubou, seinen silbernen Herrschaftsstab schwingend. Ein netter Herrscher, ohne Allüren. Einer wie alle – aber mit Aura.

Gons   Kl.K  nig 12 09
Trommelwirbel, Rufe, wildes Stampfen, so als nahte ein Dampfzug.
Drei Dutzend Frauen kommen da wie aus dem Nichts, dem Rhythmus der Tam-Tam folgend, die Hüften hektisch schwingend. Dó Tiégaba – heißt der Tanz, sich gegenseitig „am Hintern stossen“…

Gons   Ehrerbiet. 12 09
Die Stampede endet vor unseren Füßen, sechs Tänzerinnen werfen sich auf den Boden – und robben uns entgegen: Reverenz für den kleinen König und seine weißen Besucher. (Die sich in diesem Augenblick wie zu spät gekommene Kolonialherren fühlen…)
Sie verstehen es immer wieder, ihre Besucher zu überraschen:
An einem Montag, wo doch alle ihrer Arbeit nachgehen, werfen sich die Frauen des Dorfes in ihre schönsten Gewänder, ruft das ‚Komitee’ die Einwohner zusammen, nimmt sich der Naba drei Stunden Zeit – und schon ist die schönste Fiesta im Gange.
Nicht nur hier – überall in Afrika liebt man Feste, Trommeln, Tanz. Gons   Tanz 12 09

Und nützt jede Gelegenheit, die Hacke beiseite zu legen.
Jedes Fest hat seine Redner:

Gons   Lehrer 12 09
Der Naba. Lehrer Leonard übersetzt aus dem Moré ins Französische.
Die salbungsvollen Worte gelten den großherzigen Menschen in Deutschland. Der ‚edlen Dame’, die das alles möglich machte – und uns, ihren ‚Boten’.
Dann wenden wir uns dem Grund unseres Besuches zu: Der Mütterfortbildung.
Zu Beginn der Trockenzeit, wenn die Ernte eingebracht ist und die Frauen nicht mehr täglich aufs Feld müssen, bleibt ihnen abends endlich Zeit, mal an sich selbst zu denken.
‚Alphabetisierung’ ist das magische Wort. Sie wollen lesen und schreiben lernen – und en passant auch einige Grundbegriffe gesunder Ernährung und Hygiene. Lehrer Leonard hat ein Konzept entwickelt; im Dezember geht es los. Dreimal pro Woche je zwei
Stunden Unterricht für 35 Frauen. Vier Monate lang, bis zum Ende der Trockenzeit

Gons   Mme.Kabor   12 09

Mme.Kaboré – Stimme der Frauen
Ein kluger Afrikaner hat mir einmal gesagt: „Bilde einen Jungen – und Du bekommst ein Individuum. Bilde ein Mädchen – und Du schulst eine ganze Familie, ja eine Nation“. Über die starken afrikanischen Frauen habe ich schon oft geschrieben. Sie, die im
Morgengrauen (während die Männer noch schlafen) Holz und Wasser in der Savanne holen, den Hirsebrei auf ihren drei Steinen kochen, die Kinder füttern, dem ‚Pascha’ das Frühstück bereiten, dann aufs aufs Feld gehen, Unkraut jäten, Hirse, Maniok und Erdnüsse kultivieren.
Die am Abend müde nach Hause kommen, dann noch einmal für alle kochen und die Kinder ins Nest bringen müssen.
Überliesse man die Regierungen der Länder Afrikas den Frauen – es wäre ein anderer Kontinent!

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Zwei Buben hatten mit Ihrem Eselkarren die 40-Watt-Solarzelle, Transformator, Batterie und zwei Energiesparlampen sowie das übrige Zubehör angeliefert. Für die 35 Landfrauen in Gonsé, die nur abends Zeit für den Unterricht haben, ließ Lehrer Leonard dann mit Hilfe der Spende die kleine Solaranlage aufs Schuldach montieren.

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Am Ende des Besuches bringen uns Lehrer Leonard und der kleine König zu einem alten, abgelegenen Gebäude, in dem die erste Klasse untergebracht ist: 106 Kinder eingepfercht in einen Raum, Buben und Mädchen, zu viert in einer Zweierbank. Aber mit Gesichtern voller Leben und – Wissbegier.

Gons   Sch  ler 12 09 1

Gons   Solarstrom 12 09 1

Und schon leuchten die zwei Stablampen auf – fiat lux! Zum erstenmal Licht im Dorf. So lernen bei Tageslicht die Kinder (oben) – und abends die Frauen (unten).

Gons   Licht 12 09
Burkina Faso liegt auf Rang 177 (von 182) der UN-Armutsstatistik.
Ursache dafür ist vor allem der erschreckend hohe Analphabetismus. Ein Erbe des französischen Kolonialismus. Nur 5,5 % der Bevölkerung Ober-Voltas konnten im Jahr der Unabhängigkeit 1960 lesen und schreiben. Heute ist eine wahre Explosion von Einschulungen im Gange. Alle drängen zum Unterricht, selbst wenn sie, wie in Gonsé, fünf Kilometer Fußweg haben. Der Staat kann nicht genügend Schulen bauen – und jedes Jahr kommen neue Pennäler hinzu.

Nun wollen auch noch die Landfrauen ihre versäumte Schulbildung nachholen. Weil sie merken, dass Lesen und Schreiben sie freier macht, wirtschaftlich wie persönlich.
Frei auch von der Knute der alles bestimmenden Männer.

Wie einfach wäre es für Gutgesinnte in der Ersten Welt, ein Solardach für eine Landschule zu spenden – 500 €. Oder gemeinsam für den Bau eines so
dringend gebrauchten neuen Schulgebäudes zu sammeln – 10.000 €.
Von jedem gespendeten Euro an den Konvoi der Hoffnung kommen 100 Cent garantiert an, weil alle Mitglieder alle Kosten, auch Überseereisen, selbst bezahlen.
Dr. Rolf Pflücke, 1.12.09

07.12.2009 | Afrika-Sprechstunde

Dr. Rolf Pflücke hat für Ihre telefonischen Anfragen eine “Sprechstunde“ eingerichtet! Unter Telefon 06221-6508655 am Mittwoch, 16.12.09 von 17 bis 21 Uhr beantwortet er Ihre Fragen zu seiner Arbeit für Menschen in Afrika.100 0613 Rolf Pfl  cke k 1

Er kam Ende letzter Woche aus Burkina Faso zurück. Dort hat er den Bedarf von weiteren Eseln und Eselskarren in den Bezirken Sourgoubila und Saaba festgestellt. Unser Freund Stephane Souli, der z.Zt. seinen Weihnachtsurlaub zu Hause verbringt, wird die individuelle Bedarfsplanung in seiner Heimat Sourgoubila noch in diesem Monat abschließen. Dr. Pflücke macht dies bei seiner nächsten Reise Anfang Januar im Bezirk Saaba.
Die Alphabetisierung der Frauengruppe vom Frauenverein Bantougdo ist am 30. November angelaufen. Parallel werden die Frauen im Weben und der Gewinnung von Butter und Seife aus den Früchten des heimischen Karité-Baumes ausgebildet.
In einem neuen Projekt will Dr. Pflücke verschleppte, missbrauchte Mädchen und Kindermütter aus dem Kriegsgebiet und den Rohstoffminen im Ost-Kongo herausholen, sie ausbilden lassen und in ihre Heimat zurückführen.
Für diese Projekte benötigen wir dringend Ihre Mithilfe! Denn nur mit solchen nachhaltigen „Hilfen zur Selbsthilfe“ kann Afrika voran gebracht werden.
Spendenkonten: Bruhrainer Volksbank Nr.106 262 00, BLZ 663 916 00;
Sparkasse Karlsruhe Nr.203 155 809, BLZ 660 501 01.

07.12.2009 | Sammelware auf den Weg gebracht

Heute früh wurde eine großer Lastzug mit der Sammelware vom 28. November beladen und zu den ehemaligen Donauschwaben auf den Weg gebracht. Schon letzte Woche ging ein Sprinter voll Hilfsgüter zu den „Karpaten-Deutschen“ nach Schönborn in der südlichen Ukraine.Sammlung 28.11.09 010 1

Trotzdem wartet jetzt noch viel Ware  aus der letzten Sammelaktion auf den Abtransport ins Banat nach Rumänien.

Außerdem gingen bereits zwei komplette Direktlieferungen Bau- und Isoliermaterial, das uns die Fa. Baumit-Bayosan gespendet hat, nach Mucsi und Szagadát nach Ungarn. Beide Dörfer sind ehemalige deutsche Gemeinden, die im Rahmen der Vertreibung 1946 ihre Bevölkerung zu über 90% verloren haben und nur aufgrund der damaligen Ansiedlung von Szeklern und Sinti noch existieren. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 30%, im Winter verdoppelt sie sich, da sowohl Bildung, örtliche Industrie als auch Verkehrsmöglichkeiten fehlen. Das Material wird dort zur Aussen-Sanierung von Kindergärten, Seniorenheimen und Kulturhäusern verwendet.

Weitere Ware steht bei verschiedenen Niederlassungen der Fa. Baumit-Bayosan für uns bereit. Diese soll im Neuen Jahr nach Rumänien und N.O.-Ungarn gehen, wo an einem Krankenhaus der Johanniter immer noch Flutschäden von 2004 zu beheben sind.

Hier einige Fotos von der heutigen Verladeaktion: Verladung 7.12.09 001Verladung 7.12.09 003Verladung 7.12.09 007Verladung 7.12.09 011

05.12.2009 | Bildung hat Vorfahrt in Afrika

Die Savanne ist üppig grün nach der Regenzeit; und die ockerfarbene Erdstrasse, im Mai noch breit wie eine Ufo-Landebahn, ist jetzt beiderseits von Sträuchern eingeengt und schmal. Die Bauern bringen die letzte Hirse in die Speicher; die Ernte war dieses Jahr recht gut.

In Gonsé, dem ersten Ort auf dem Weg nach Bantougdo erwartet mich Francoise Souly; Zweite Leiterin des Frauenvereins von Bantougdo. Sie ist – typisch
Städterin – sehr elegant gekleidet. Mit ihr im Auto die Vorsitzende der „Association des Femmes“ und eine Gewerbelehrerin. Ein erstes Treffen „lernwilliger“ Frauen soll stattfinden.

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M Francoise (li), Lehrerin, Leiterin des Frauenvereins

Doch zuerst erweisen wir dem Dorfchef unsere Reverenz. Der Alte war zuletzt wegen einer Krankheit monatelang in der Stadt; jetzt ist er zurück und offenbar genesen.
Er empfängt uns würdevoll – im weißen Boubou, einen bunten Fez auf dem Kopf.
Ein faux-pas, daß ich einfach auf ihn zugehe und wie ein Weltbürger freundlich die
Hand schüttle? Die Umgebung hat so gar nichts majestätisches: Lehmhütten, Hühner und ein paar streunende Kinder.

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Der ‚Chef du Village’.

Die Frauen machen es höfischer als ich; aber sie leben ja auch in einem Land voller Könige. Knicks, Verbeugung, ein paar untertänige Worte. Mir verwirrt es – wie allen weißen ‚Donors’, die hier helfen wollen – oft die Sinne. So viele Autoritäten – und für jede einen passenden Rat: Den Bürgermeister nicht vergessen; er würde es übel nehmen.
Wenn ein Präfekt da ist, auch ihn aufsuchen. Am besten zuerst das ‚traditionelle’ Oberhaupt, den Dorf-Chef (eine Art Häuptling, der bei Landvergaben und Hochzeiten das Wort hat). Ach, und die Präsidentin des Frauenvereins, den Chef des Comités und den Direktor der Krankenstation…Ufff!

Seit dem letzten Besuch hat sich was getan. Die beiden Schulen, deren Dächer im Juli der Sturm wegtrug sind – auch dank unserer Reklamationen – von der UNICEF erneuert worden; die eigenen Mittel hätten dafür nicht gereicht.
Nächste Woche kann dort der Unterricht wieder beginnen. Die einst verlassene alte Schule ist nicht mehr zu erkennen:

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Wie neu: die alte Schule
Die neuen Fenster, Türen, ein frischer Anstrich, gar eine Veranda – da hat der KONVOI tolle Arbeit geleistet. Drei weitere Klassen der Oberschule fanden so Platz; in jedem Raum rund 50 Kinder.

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Direktor Soulouga, der Zwei-Meter-Mann, ist froh; nur eine Sorge treibt ihn um, wohin soll man die vielen ABC-Schützen stecken, immer mehr Kinder werden zum Unterricht angemeldet. Vorübergehend hat man sich dazu entschlossen, auch im Freien zu unterrichten. Ein weiteres Schulgebäude muss her: doch da soll sich nun Bürgermeister Kaboré ins Zeug legen. Schließlich sind 2010 Kommunalwahlen – und er wird wieder antreten.

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Unterricht im Freien
Im Schatten vor der Oberschule warten zwei Dutzend Frauen. Francoise Souly hat sie eingeladen. Sie möchte Kurse im Weben anbieten und in der Herstellung von Karitébutter und –seife.

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Kartitébäume gibt es überall in der Savanne. Sie brauchen 50 Jahre bis sie ordentlich Nüsse tragen – und die werden gern zu Pflegefetten und Butter verarbeitet. Für viele Frauen, die ja sonst kaum Einkünfte haben, ein lohnender Nebenerwerb.

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Karité:  Butter und Seife

Am 30. November hat nun die Alphabetisierung und parallel die Berufsausbildung für die erste Frauengruppe begonnen.

(Bantougdo, November 2009, Dr. Rolf Pflücke)


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