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Neben den beiden Schwerpunkten „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Afrika und Osteuropa ist der 3. wichtige Schwerpunkt unserer Arbeit die Behindertenhilfe.
Unser Koordinator für Behindertenhilfe, Hans-Peter Dentler (im grünen Overall) betreibt, überwiegend mit rüstigen Rentnern, in Karlsruhe seit über 10 Jahren nicht nur eine Rollstuhl-Reparatur-Werkstatt, sondern organisiert auch selbst die Verteilung dieser Hilfsgüter in der so genannten 3. Welt.


Z.Zt. sind 4 große Schiffscontainer mit jeweils etwa 200 Rollstühlen, 50 Rollatoren, 50 Toilettenstühlen und anderen Hilfsgütern für behinderte Menschen nach Ruanda, Burundi, Peru und Bolivien unterwegs. Er reist heute auf eigene Kosten nach Afrika, um die Sachen direkt an die bedürftigen Menschen zu verteilen. Der individuelle Bedarf wurde schon im Vorfeld von den Partnern vor Ort festgestellt, um die richtigen Größen und Stückzahlen verladen zu können.


In Karlsruhe wurde eine ehemalige katholische Notkirche zur Werkstatt mit Lager umfunktioniert in der jeden Vormittag Männer ihre Freizeit opfern, um kostenlos diese einmalige Initiative zu unterstützen. Auch aus unserer Region fährt ein Team jeweils aus Oberhausen, Rheinhausen und Waghäusel donnerstags nach Karlsruhe, um Rollstühle und andere Hilfsmittel zu reparieren oder in Container zu verladen. Dafür benötigen wir noch weitere, rüstige Rentner. Die Arbeit ist leicht schnell zu erlernen. 
So konnte schon über 15.000 behinderten Menschen, bei denen es Zuhause kein „soziales Netz“ wie bei uns gibt, durch uns zu einer besseren Lebensqualität verholfen werden. Aber auch wir Rentner fanden Freude bei sinnvoller Tätigkeit.
Bitte melden Sie sich bei unseren Kontaktadressen!
Das erste Jahr ist um. Die Ausbildung in der Hebammen-Schule von St. Hedwig hat sich gelohnt und die großmütige Unterstützung durch Monika trägt ihre Früchte. Clarissa hat als drittbeste von 99 abgeschnitten und ist sehr stolz darauf.
Sie zeigt uns die Zeugnisse der vergangenen drei Trimester, acht Fächer, allesamt mit guten Noten. Am besten ist sie in allg. Pathologie, und in Kinderkrankheiten und –pflege. Auch bei der praktischen Ausbildung in einer Geburtsklinik schnitt sie sehr gut ab. Nun ist sie Hilfshebamme, accoucheuse auxiliaire. Im nächsten Schuljahr macht sie das Examen zur ordentlichen Hebamme .
Zeugnisse- Drittbeste von 99
Im Ferienmonat August will sie jobben, wenn es sein muss als Haushaltshilfe. Denn sie will auf alle Fälle i h r e n Teil zu den hohen Kurskosten beitragen: Im ersten Jahr hat Monika über den KONVOI 150.000 Francs (250 €) zu den 380.000 CFA beigesteuert, sowie einen monatlichen Unterhalt. Im August werden wir sehen, wie viel ihr diesmal mangelt.
Hilfshebamme Clarissa
Dass sie am 26. Juli Geburtstag habe ließ sie uns schon früh per SMS wissen. In Afrika tun das alle so, besonders wenn die Freunde Europäer sind. Also fuhren wir am Nachmittag bei ihr vorbei und brachten ihr ein Geschenk; sie freute sich sehr darüber. 
Doch nun hat sie eine neue Sorge: das chinesische Moped, vor einem knappen Jahr gebraucht gekauft, hat einen Motorschaden. Was tun?
Als ich sie frage, wie sie morgens um sechs zur Klinik am Stadtrand komme sagt sie verlegen: „Zu Fuß, so wie früher“.
Dr. Rolf Pflücke – Juli 2011
Gonsé, Bantougdo, Saaba In der Regenzeit droht manchmal die Welt unterzugehen: Sturm, Gewitter und Wolkenbrüche. Heute scheint nun wieder die Sonne und der Sandweg zu unseren Savannendörfern ist fast trocken. Nur die knöcheltiefen Pfützen erinnern noch an das Unwetter von gestern. Überall üppiges Grün; das Auge sieht sich kaum satt an den mächtigen Baobabs, den Affenbrotbäumen.
Auf den Hirsefeldern jäten die Leute Unkraut. Und Kinder bieten uns reife Kariténüsse an. Die werden im Juli geerntet und sind sehr nahrhaft. Sie helfen vielen über den Hunger dieser Wochen hinweg. Denn die Getreidespeicher sind jetzt leer; die neue Hirse wird erst im Oktober eingebracht.
In unserem Partnerdorf Gonsé sind die Frauen gerade mit der Verarbeitung der Nüsse zu Karitéseife beschäftigt. Zuletzt hat ihnen der ‚Konvoi der Hoffnung‘ eine Werkstatt hingestellt und eine Solaranlage aufs Dach gesetzt, damit sie in Abendkursen lesen und Schreiben lernen. Gleichzeitig zeigten ihnen Fachkräfte, wie man aus Kariténüssen Seife macht.
Wir lieferten das Startkapital, die Werkzeuge und Zutaten. Was zu Beginn noch schleppend ging, die Verarbeitung und der Verkauf, läuft im zweiten Jahr schon wie am Schnürchen.
Statt der einfachen Paste wollen sie diesmal Seifen machen, weil die Wertschöpfung eine bessere ist. Auf dem Markt bekommen sie für ein Stück Seife 300 Francs, 0,50 Euro. Das ist ein halber Tageslohn auf dem Land. Seither sind sie wie von einem Fieber gepackt. Denn keine der Frauen kriegt von ihrem Mann zu Hause Geld. Wie sollen sie ihre Kinder zur Schule schicken und Hefte, Bleistifte und Uniformen bezahlen? Nun wollen sie einen richtigen Gewerbeverein gründen, mit zwei Präsidentinnen, fünf Marktfrauen und zwei Sekretärinnen. Alle ehrenamtlich, versteht sich. Semest’aba soll er heißen, ‚Gute Zusammenarbeit’. Ob ihr kleiner Verein denn so viele Führungskräfte brauche, frage ich? Doch sie lassen sich da nicht beirren.
Bevor wir losfahren haben sie noch eine Bitte: Ob wir ihnen einen Kinderhort einrichten könnten, wo sie die Kleinen hinbringen, wenn zuviel Arbeit ist oder Markttag. In der Stadt soll es solche ‚Ki-Tas’ schon geben, das hat eine von ihnen gehört. Da die Gemeinde ihnen ein altes Haus überlässt, müssten wir nur für den Umbau und die Einrichtung sorgen.
Bald ein Kinderhort
Da kommt die Spende von Soroptimist Baden-Baden gerade recht. Als ich den braven Müttern von Gonsé von den selbstbewussten Frauen dort erzähle, die so anspruchsvolle Berufe (und Einkommen!) wie die Männer haben, steht vielen der Mund offen. Eigene Einkommen: Für die meisten Frauen in Schwarzafrika klingt das wie ein Märchen.
Aber in Europa werde es wohl so sein, sagen sie in Gonsé, ‚sonst würden uns die Damen doch keinen Kinderhort einrichten!“ Im Oktober wollen wir mit dem Umbau beginnen. Betreuung und Unterhalt wollen die Frauen selbst übernehmen. Aber für die Einrichtung, Möbel und Spielzeug werden noch Spender/innen gesucht.
Nächstes Ziel unserer Reise ist das Partnerdorf Bantóugdo. Dort wurde gerade das Frauenhaus fertig. Notre Trésor, „unser Schatzkästlein“, so nennen sie es. Für dieses Projekt hatte sich ja Judith Jungkind während ihres 2-monatigen Aufenthalts in Bantougdo stark engagiert. Künftig soll es für die Gewerbe- und Alphabetisierungskurse genützt werden, die gehen bereits ins dritte Jahr. In der acht Monate langen Trockenzeit wollen sie ihre Webstühle zum rasseln bringen.
‚Schatzkästlein’ Frauenwerkstatt
In der Nähe wird bald ein größeres Gebäude entstehen, die Mittelschule von Bantógodo. Das ‚Entwicklungshilfeministerium’ BMZ hat uns über BENGO, sein ‚Büro für private Träger’ großzügige Hilfe zugesagt – zwei Drittel der Baukosten! Der KONVOI finanziert den Rest. Im August soll es losgehen, denn die Schule muss im Frühjahr stehen. Unser Kollege aus Pforzheim, Stéphane wird sich um den Baufortgang kümmern.
Bauplatz der Mittelschule
Die Einwohner des Dorfes haben sich verpflichtet, 12.000 Arbeitsstunden beizusteuern. Das Prinzip ‚Hilfe zur Selbsthilfe’ soll sich hier bewähren. Sie werden Sand ankarren und Ziegelsteine fertigen. Wir werden sehen, ob das klappt.
Früher nannte man es Entwicklungshilfe; heute spricht man von Entwicklungszusammenarbeit. Das Wort Hilfe ist politisch nicht mehr korrekt. Dabei drückt es aus, was in den meisten Fällen passiert: Die „Geber“ bauen Schulen, Werkstätten und Waisenhäuser; in den meisten Fällen tun sie es uneigennützig und durch den Einsatz idealistischer Menschen.
Doch was tragen die „Nehmer“ bei? Abgesehen davon, dass auch dieses Wort politisch nicht korrekt ist: Wie viel Eigenleistung bringen sie ein; wie stark ist das Wir-Gefühl, das Engagement einzelner für die Dorfgemeinschaft? Ich habe in Westafrika viele enttäuschende, aber auch sehr ermutigende Beispiele kennen gelernt. Die Quintessenz von ‚geben’ und ‚nehmen’.
Letzte Station unserer Reise durch die Savanne ist das Zuwandererdorf Saaba. Es hat wie die anderen Orte weder Strom noch fließend Wasser. Und nur eine kleine, privat erbaute Dorfschule, die wir im vergangenen Jahr auf vier Klassen erweiterten. Jetzt bauen wir eine fünfte an, sowie einen überdachten ‚Hangar’, in dem künftig die Mittelschule Platz finden soll.
Die Eltern der Kinder machen hier eifrig mit. Wir haben über 200 Müttern Energiesparherde besorgt und für ihre Abendkurse ein Solardach montiert. Der KONVOI bringt außerdem Reis für die Schulspeise und zahlt die Gehälter der vier Lehrer.
Zeugnis für die Klassenbeste
Das Schuljahr ist zu Ende, die Kinder bekommen an diesem Tag ihre Zeugnisse ausgehändigt und zur Stärkung je eine Banane. Ihre Mütter bereiten derweil in einem benachbarten Hof das Mittagessen vor:
Reis mit Fisch, dazu Somko, eine Art Hirsemilch. Ein Bild für Götter, wie sich die Kinder über die Töpfe hermachen!


Das letzte Körnchen Reis
Das Zuwandererdorf Saaba wird künftig unsere größte „Baustelle“ werden, dort mangelt es an allem. Denn die Kommune ist überfordert: Solange die Landflucht zunimmt und Hunderttausende jährlich aus der Savanne in die Stadt ziehen, ist private Hilfe die einzige Hoffnung. Doch wo fängt man nur an?
Den 100 Kindern von Saaba wollen wir zu Beginn des Schuljahres ein tägliches Essen geben. Die Mütter machen mit, zwei Energiesparherde stehen bereit. Schon mit 1000 € lässt sich das machen. Die Bänke für das neue Klassenzimmer werden 400 € kosten. Schulbücher, Bleistifte und Hefte für die Ärmsten noch einmal 500 Euro. Schön wären auch Spenden für den Bau der Mittelschule, der Hangar wird auf 8000 € veranschlagt.
Die Mädchen verabschieden uns mit einem ‚Perlhühnertanz’. Wir sind von soviel Anmut hingerissen. 
Verdienen sie nicht die gleichen Chancen wie unsere eigenen Kinder?
Dr. Rolf Pflücke, Juli 2011
Da stehen sie nun vor der großen Tafel und zeigen, was sie alles können. Dreißig Frauen aus dem Savannendorf Gonsé haben gerade den Alphabetisierungskurs abgeschlossen. Das vom KONVOI erbaute Haus dient ihnen als Werkstatt und Schule.
Schon können sie ganze Sätze in Französisch lesen, sowie dreistellige Zahlen addieren und subtrahieren.
Lehrer Armand hat in den Abendkursen während der achtmonatigen Trockenzeit tolle Arbeit geleistet. Fünf Frauen, sie waren den andern im Lernen voraus, gab er zusätzliche Schulung als Hilfshebammen.
Ihre Männer, die selber nicht lesen und schreiben können, sitzen an diesem Tag an meiner Seite in den hinteren Bänken und schauen der Prüfung verwirrt zu. Dass ihre Gattinnen mehr wissen als sie selbst mag einige misstrauisch machen. Zwar ist es gut, wenn die ihren schulpflichtigen Kindern bei den Aufgaben helfen können. Doch allzu viel Freiheit und Eigenständigkeit könnte die Frauen aufmüpfig machen, kommt also gar nicht in Frage!
Da die nun aber rechnen und schreiben können, wollen sie ihr Wissen auch zu Geld machen. Denn die Männer geben ihnen ja keines. Also verpflichten wir auf Kosten des KONVOIs zwei Gewerbelehrerinnen aus der Stadt, die zeigen, wie man aus Karité-Nüssen Seife macht. Die Herstellung von Karité-Butter hatten sie ja mit unserer Hilfe vor einem Jahr gelernt.
Diese ‚Butter’ (d.h. Creme) wird heute in aller Welt zur Schönheitspflege verwendet, weil sie die Haut nicht austrocknet, sondern mit Fett versorgt.
Warum also die wertvollen Karité-Nüsse aus der Savanne exportieren, wo man sie doch selber, Wert schöpfend, zu Seife verarbeiten kann!
Nach der Ernte werden die Früchte getrocknet, geschält und erhitzt; der Sud nach längerem Rühren mit Wasser verdünnt.
Dann setzen sich die Frauen zu meiner Verwunderung Mund- und Atemmasken auf und streifen Handschuhe über. Denn jetzt kommt „Chemie“ hinzu, Natrium und Kalium, sowie Kokos- und andere Fettsäuren. 
Stolz zeigt uns ein Mädchen das Endprodukt: siebzig duftende Seifenwürfel, in einem Arbeitsgang hergestellt. Auf dem Dorfmarkt lässt sich jeder für 300 Francs verkaufen, einen halben Euro. Das entspricht hier dem Tageslohn vieler Menschen.
Für die Frauen von Gonsé hat sich mit dem Bau der Schul-Werkstatt durch den KONVOI das Leben verändert. Sie halten endlich e i g e n e s Geld in Händen, können lesen, schreiben und dürftig rechnen. Und beim Unterricht und Seifensieden hatten sie viel Spaß mit einander. Mochte das den Paschas zu Hause passen oder nicht.
Beim Abschied die große Bitte, sie wagen sie fast nicht zu äußern. Ihr Herzenswunsch: ein Kindergarten, in dem sie die Kleinen nach Bedarf abgeben können, etwa an Markttagen, bei Krankheit oder wenn zuviel Arbeit auf den Feldern ist.
Um zu zeigen, was sie meinen, drehen sie sie sich schelmisch um und zeigen die Bündel auf dem Rücken. Fast jede hat ein Baby unter ihrem Wickelrock versteckt.
Familienplanung? In der Savanne bisher Fehlanzeige. Doch in Gonsé und anderen Dörfern könnte sich das bald ändern. Weil die Frauen hier ihren Selbstwert entdecken – und mit den Buchstaben und Wörtern auch ihre Rechte.
Dr. Rolf Pflücke, Mai 2011
Sie ist inzwischen zwanzig und recht selbstbewusst. „Das Leben hat mich taff gemacht!“, sagt sie. Aber ohne den Zufall, der sie 2010 zum KONVOI führte, würde Clarisse (wie sie dort gerufen wird) wohl noch immer Telefonkarten an der Straßenkreuzung verkaufen; oder mit einem Korb voller Mangos an der Ecke stehen. Stattdessen hat die Hebammen-Schülerin für den Rest ihrer Ausbildung ein Glückslos gezogen. Katrin Rohde, die umtriebige Hamburgerin vom Waisenhaus AMPO, bat uns um Hilfe für das Mädchen aus dem Landesinnern. Clarisse wolle so gern einen ordentlichen Beruf erlernen.
Eine gute Freundin aus Berlin nahm sich ihrer an und sorgt für die Ausbildungskosten, das Outfit, ja selbst für ein gebrauchtes Moped und ein Praktikum. 
Das absolviert Clarisse in einer der landesüblichen Krankenstationen.
In der Maternité, der Entbindungsabteilung, ist sie inzwischen so eineingeübt, dass ihr die Chef-Hebamme bei normalen Geburten meist nur noch über die Schulter sieht. Jeden Tag sind es sieben oder acht.
Vierzig Babys hat Lehrling Clarisse schon auf die Welt geholfen und zweimal Zwillinge.
Früh um sechs fährt sie zur Schule auf der anderen Seite der Stadt. Und nachmittags zur Klinik, um zu üben. In einem Land wie Burkina Faso, wo jede Frau im Schnitt sechs Kinder gebärt und daneben noch zwei, drei Fehlgeburten hat, ist die Hebamme oft lebensrettend.
Als wir sie in der Krankenstation besuchen steht gerade eine Wöchnerin an ihrer Tür: die Wehen haben begonnen. Ein normaler Fall, so scheint es.
Im Juli endet Clarisses Ausbildung. Danach wird sie sich umsehen müssen: Trotz ihrer guten Noten und des weiter andauernden Geburten-Booms ist ihr ein fester Arbeitsplatz noch nicht sicher.
Doch sie weiß, man wird ihr auch dabei helfen.
Dr. Rolf Pflücke, Mai 2011
Afrika hat seine Überraschungen!Mitten in der Savanne das Dorf Péodogó. Schon von fern hören wir den Rhythmus der Trommeln. Dreißig Frauen in ihren schönsten Kleidern kommen uns tanzend entgegen. Sie haben an diesem Morgen – es ist Regenzeit – einfach mal ihre Arbeiten liegen lassen, um uns fröhlich zu empfangen.
Eine der Damen trägt stolz ihren Brautschatz auf dem Kopf. Was hat sie vor? Selbst ein erfahrener Afrika-Trotter wie ich weiß es nicht. Vorsicht! Ich bin nicht zur Brautwerbung gekommen, sondern um einen Esel mit Karren zu verschenken.
Wie das dank der großmütigen Spende Münchner Freunde von ERGO in einem Dutzend weiterer Dörfer der Fall war.
Die Frauen von Péodogo haben vor Jahren einen Verein gegründet und sich beim Ministerium eine Urkunde geholt. Jetzt können sie die Belange ihres Dorfes mit e i n e r Stimme vertreten, auch gegenüber internationalen Organisationen (NGO’s).
Sie kümmern sich um die Schulspeise ihrer Kinder, u m F a m i l i e n p l a n u n g , das Verbot der Genitalverstümmelung, kurz, um ein besseres Leben im Ort.
Mit dem Gespann wollen sie nun Müll wegfahren und Trinkwasser für die Schulkinder holen. Und vielleicht lässt es sich auch für Transporte vermieten – willkommene Nebeneinkünfte für ihren Verein.
Zum Dank überreicht uns der Chef des Bürgerrats, Baptiste, einen Korb voller Hühnereier. (Er verrät uns aber nicht, wie alt sie sind…)
Und die Frauen tanzen zum Abschied einen ausgelassenen To-Jigabá, bei dem sie zum Schlag der Trommeln die Hintern gegeneinander rumsen. Afrika, deine Erotik!
Dr. Rolf Pflücke – Mai 2011
In der Savanne hat man von den Straßenkämpfen des Frühjahrs wenig gehört. Die trugen sich in Ouagadougou zu und in den anderen großen Städten. Doch ein paar Funken haben sich zu landesweiten Aufständen entflammt und deren wahre Ursachen sind auch in der Savanne zu spüren: La vie chère, die Teuerung der Grundnahrungsmittel, schmerzt den kleinen Hirsebauern ebenso wie den Arbeiter in der Stadt. Da es in den meisten Dörfer keinen Strom gibt und kein Fernsehen hängen die Männer täglich am Transistorradio. Die lokalen Sender bringen Nachrichten auch in den Stammessprachen Moré oder Fulbe. Und dann gibt es ja auch die „Buschtrommel“ unserer Tage, das Handy. 
Wir sind an diesem Morgen unterwegs nach Bantóugdo, wo der dritte vom KONVOI bezahlte Alphabetisierungskurs zu Ende geht. Ein staatlicher Prüfer hat sich angesagt; ich bin gespannt, was die 30 Frauen in vier Monaten gelernt haben. Und ob das von Freunden am Rhein ererbaute Frauenhaus nun im Rohbau steht. Da deren Mittel nicht ganz reichten, wollen wir die Fertigstellung übernehmen.
Ein paar Frauen schleppen die neuen Schulbänke und -tische an, die wir im März in Auftrag gegeben hatten: maßgefertigt für fünfzig Erwachsene. Die Möbel erweisen sich als sehr nützlich; man kann ausgewachsene Leute ja nicht in Kinderbänke zwängen.
Der überdachte Hangar neben dem Frauenhaus ist an diesem Tag ein ideales Klassenzimmer. Tags zuvor hat nämlich ein Gewitterguss die heiße Erde abgekühlt; ein frischer Wind streicht über die Savanne. Die Regenzeit ist nah, die Baobabs, Affenbrotbäume, treiben schon ihre ersten Blätter.
Die Prüfung ist wahrlich nicht einfach, den Frauen rauchen die Köpfe. Kaum eine hat zuvor ihren Namen schreiben können, jetzt kritzeln sie alle munter in ihren Heften, addieren und subtrahieren vierstellige Zahlen, vervielfachen und teilen. Und sie haben nun Grundkenntnisse in Biologie, Geschichte und Geographie. Dass die eine oder andere zwischendurch ihr Baby an die Brust legt stört den Prüfer nicht. Er wartet geduldig bis es gestillt ist.
Im Schatten der Bäume neben der Krankenstation treffe ich mich später mit den ‚starken Frauen’ des Dorfes, um Bilanz zu ziehen. Margot und Salamata (li.) sind im Vorstand des örtlichen Frauenvereins und kämpfen für die Anliegen des weiblichen Geschlechts. Und die reichen in der Savanne weit: von der Einschulung der Kinder (und vor allem der Mädchen), über die Hygiene der Familie bis zur Ächtung von Zwangsheirat und Genitalverstümmelung.
Doch archaische Traditionen machen diese starken Frauen schwach und zwingen sie täglich in die Knie. Jede muss ihrem Mann wie eine Leibeigene gehorchen, von früh bis spät rackern, alle durchfüttern. Und wenn sie einen Alphabetisierungskurs besuchen will, dann nur mit der Einwilligung ihres Mannes.
Jedes Dorf hat per Gesetz einen Frauenverein und ein Bürgerkomitee: Eckpfeiler der entstehenden Zivilgesellschaft. Mit ihnen arbeiten wir zusammen, auch bei der Fertigstellung des Frauenhauses.
Aber warum zum Teufel hat sich der Maurer Daniel davongemacht? Seinen Kostenvoranschlag in Händen fahre ich durch das ganze Dorf und finde ihn schließlich auf einer anderen Baustelle.
„Das ist mein eigenes Haus“, ruft er; „es muss vor der Regenzeit stehen!“
Da hilft nur Überredung. Die großen Regen kommen schließlich erst im Juni. Das Dach des Frauenhauses aber kann er mit seinen Männern an einem Mai-Wochenende aufsetzen – am besten gleich am nächsten! Und da er knapp bei Kasse ist verspricht er es. On verra!
Dr. Rolf Pflücke – Mai 2011