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All diese offenen Herdfeuer: drei Steine und Kessel darauf; so kocht man in Afrika seit 5000 Jahren. Nun soll das in Gonsé anders werden.
35 ausgesuchte Frauen haben mit Freude – und der Unterstützung des KONVOIS – ihre Alphabetisierung begonnen. Im Anschluss daran wollen sie nun lernen, Abwechslung in die fade ‚Küche’ zu bringen. Jeden Tag Tó, also Hirsebrei, das verdrießt selbst den besten Gespons.
So hat Lehrer Leonard, ein Sprecher des Dorfes (der auch im Gemeinde und
Regionalrat sitzt), mit den Ehemännern einen Deal ausgehandelt:
Sie erlauben ihren Frauen eine Teilnahme an den Kursen (ja, das müssen hier die Machos abnicken!) und dafür kriegen sie künftig was besseres auf den Tisch.
Zum Beispiel Reis mit Erdnuss-Soße; oder geröstetes Maniokmehl, wilde Linsen und Trockenfleisch. Auch aus Maismehl, Yams und Auberginen, Okraschoten, grünen Bohnen und Soumbala-Würzkugeln lässt sich eine Menge machen. Wir müssen von allem ein bisschen kosten – wie lecker! (Die Eingeweide lassen grüßen!)


Wie wär’s mit wilden Linsen mit Maniokbouletten. Mit Flussfisch zum Hirsebrei? Oder eine Karité-Suppe zum Durstlöschen?
Während das alles vor sich hin brutzelt bittet Mr. Leonard die Frauen um eine Demonstration des Gelernten. Wir sind etwas verlegen, denn hat das nicht was von Pennäler-Pauke? Aber die Frauen antworten entspannt und fröhlich: Drei mal fünf ist fünfzehn; Vier Plus sechs zehn. Sie haben das natürlich schon vorher gewusst: schließlich ist alle drei Tage Markt, da kaufen sie Tomaten und Soumbala-Kugeln. Doch – warum nicht mal zeigen, wie ernst man das Ganze nimmt. Schließlich haben die Weißnasen ja noch vieles vor im Dorf.
Seit die Solarpaneele auf der Schule Licht für Abendkurse spendet sind die Frauen wild entschlossen, ihre Chance zu nutzen: Nach dem ersten Alphabetisierungskurs wollen sie nun Handwerke erlernen: Seife aus Karité-Früchten kochen, Körbe aus Hirsestroh flechten oder sonst was.
M.Leonard: Wieviel ist fünf mal drei?
Wir machen dabei eine interessante Entdeckung: Da die Männer erst einmal zugestimmt haben, sind die Frauen wie befreit. (Lehrer Leonard sagt mir hinter vorgehaltener Hand: „Ich weihe den Ortsrat in alles ein, damit keine bösen Gerüchte aufkommen!!“) Denn in der Savanne gilt noch immer das ‚Gesetz des Althergebrachten’. Frauen gehören an den Herd und in die Hütte. Viele Mütter lassen noch heimlich ihre kleinen Töchter beschneiden. Und die Männer sehen sich als Gralshüter dieser (Un-) Sitten. Die Unterwerfung der Frauen stärkt ihre Pascha-Rolle: Machos der Savanne.
Leonard und Vertreter des CvD – des Ortsrats
In dieser entlegenen Welt ohne elektrischen Strom, Radio, Fernsehen ist das ‚Wir-Gefühl’ noch sehr intakt. Nichts tun die Frauen lieber, als miteinander plauschen, gleich ob beim Wasser holen, Kochen und miteinander werkeln. So ist die vom KONVOI der Hoffnung organisierte ‚Frauenschule’ für sie wie ein tägliches Fest. Sie werfen sich ihre schönsten Kleider über, binden die Babys auf den Rücken – los geht’s.

König und Ältestenrat
Auch der Naaba, der ‚traditionelle’ Herrscher des Dorfes und der umliegenden Ländereien, hat seine Zustimmung gegeben. Wir statten ihm zwei Besuche ab und lauschen seinen Erzählungen. Er hatte in Indo-china und im Algerienkrieg auf Seiten der Franzosen gekämpft – nicht gerade zu seinem Besten. Die bösen Gedanken ertränkten wir in Hirsebier.
Das Hin- und Her zwischen den alten und den neuen – 2006 gewählten – Autoritäten macht die Entwicklungsarbeit nicht leicht. Die Leute von der GTZ und dem DED, ja alle internationalen Geber können ein Lied davon singen. Die alten Dorfchefs sind oft schlimme ‚Veto-Player’. Wir erklären dem kleinen König unsere Pläne: Nach dem Solardach und der Frauenschulung wird eine Ökoherd-Demo stattfinden: alle Frauen wollen auf ein zeitgemäßes Kochen umstellen, um Zeit und teueres Feuerholz zu sparen. Zufriedene Frauen…
…und ihre neuen Kochkünste
In dernächsten Trockenzeit soll die Alphabetisierung weitergehen: Kurs zwei, einfaches Lesen und Schreiben.
Am Ende führen uns die Männer vom Ortsrat zu einem halbfertigen Bau – das sollte einmal das ‚Centre des Réunions’ werden, eine Art ‚Bürgerhaus’, in dem sie sich alle treffen.
Rohbau – bald ein Bürgerhaus ?
Da die (solar-) beleuchtete Schule auch abends von den Kindern belegt wird fehlt für die Schulung und die Handwerkskurse ein Gebäude. Mit 2000 € wäre das alte Haus fertigzubauen. Ich lege das Gesicht in Falten und verspreche, beim KONVOI nachzufragen. Vielleicht findet sich ein großmütiger Spender.
Dr. Rolf Pflücke, 21.1.2010
Die Frauen des Dorfes warten schon auf uns, angeführt vom Dorfchef im dunklen Boubou und Fez. Als wir auf dem weiten Platz vor der Schule halten stürmen sie auf uns zu: ‚Bonne Année – alle guten Geister mögen mit Euch sein“! Der Jahresanfang liegt zwar schon etwas zurück, doch die Gunst der Geister kommt uns sehr gelegen!
Dann führen sie uns stolz hinüber zur Solar-Anlage, deren Bau wir mit Peter und Elisabeth Herold aus Heidelberg im November beschlossen hatten. Sie wurde aus Angst vor Räubern nicht auf dem Dach, sondern vor der Schule verankert und die Nachbarn hüten sie wie ein Kind.
Die 40-Watt-Anlage läuft mit einer Trockenbatterie – muss also nur selten gewartet werden – und gibt vier Sparlampen Licht: ausreichend für ein Klassenzimmer, in dem die Frauen des Dorfes bereits mit Abendkursen begonnen haben. Freund Prosper (Bild oben), der Gründer und Erbauer der kleinen Schule, hat gute Arbeit geleistet. Und so darf er zum Test gleich mal das Licht anschalten. 
Lehrerin und zweite Klasse
Die Anlage hat gerade mal 500 Euro gekostet; aber sie macht schon jetzt in allen Nachbardörfern von sich reden. Dank der großherzigen Spenden werden nun auch die ärmeren Kinder, deren Eltern das Schulgeld von 30 € im Jahr nicht zusammenkriegen, den Unterricht besuchen können. Freudentänze!
Die drei Lehrer bekommen jeweils ein Pult und einen Stuhl. Und bis März wird (für 1000 €) ein ‚Magazin’ angebaut, in dem alle Schulgeräte (und später auch die Ökoherde für die Schülerspeisung) Platz finden sollen.
Es geht voran in Saaba – man sieht es an den Gesichtern. Die Kinder sind stolz, in die Schule gehen zu dürfen. Und die Mütter kommen zu uns und bedanken sich. Auch für die tägliche Wasser-Ration haben wir wieder gesorgt, eine Lehrerin kümmert sich darum und der Dorfmaurer holt Fass um Fass vom fernen Brunnen; nur er hat ein Eselsgespann.
Die Kleinen haben zu Weihnachten Schulhefte von mir bekommen und neue Stifte. 
Der Dorfchef herzt einen Buben, der uns ein Ständchen singt.
Im Schatten eines Baums backen die Frauen derweil Erdnusskringel, eines der drei oder vier Produkte, die sie zum Markt bringen können. Sie wissen sich zu helfen: Im Zuge der vom KONVOI (und den Herolds) begonnenen Frauen-Schulung sind ein paar Pfiffige auf die Idee gekommen, an der Fernstraße Plastiktüten einzusammeln, zehntausende liegen da herum. In Afrika wird billiges Wasser nicht in Flaschen, sondern in Halbliter-Tüten verkauft, die nach Gebrauch achtlos weggeworfen werden. Die Frauen haben nun begonnen, diesen Müll zu sammeln, die Plastikbeutel zu waschen und sie dem nahen Großabfüller zu verkaufen. Für zehn Kilo bekommen sie rund vier Euro. 
Doch nicht genug:
Jetzt wollen sie auch unbedingt Weben lernen, Seife sieden und Erdnussöl pressen. Drei Erzeugnisse, die sich gut vermarkten. Zu unserem Erstaunen haben sie schon ein langes Dokument vorbereitet (d.h. von kundiger Hand schreiben lassen), das sich ins Deutsche so übersetzt: Progamm zur Einkommensverbesserung der Gemeinde.
Als ich es durchblättere fällt mir die Kinnlade runter: Die Leute von Saaba sind fürwahr keine Schlafmützen: Für die Erdnussöl-Destille wollen sie ‚nen Schuppen bauen und eine Mühle plus Filter und Waage kaufen. Selbst an Arbeitshemden und Handschuhe (in blau) haben sie gedacht.
Für die Tuchweberei bitte: fünf Webstühle, Baumwolle und Spindeln. Zum Seifesieden 50 Kilo Rohstoff (Karitébutter) und allerlei Wannen. Kurzum: ein echter „Zukunftsplan“, der den Beteiligten die Chance bieten soll, etwas für sich und das Gemeinwohl zu tun. Getreu der Erkenntnis: Gib den Frauen das Heft in die Hand und Afrika kommt voran!
Der Chef hatte zunächst sehr geheimnisvoll getan und mir das Dokument erst nach mehreren Nachfragen überlassen. Ich verstand schnell, warum: Der Kostenvoranschlag übersteigt bei weitem unsere Mittel. Ganze 10 % wollen sie selbst erbringen. Freund Prosper fällt aus allen Wolken: „Gib den Leuten einen Finger und sie wollen die ganze Hand!“
Wir werden uns nicht beirren lassen und u n s e r e m Plan folgen: Nach dem Anbau des Schul-Depots und der Einschulung der ärmsten Kinder soll eine Ökoherd-Kampagne starten. Bislang müssen die Frauen ihr Feuerholz teuer kaufen; auf dem Feld gibt es keines mehr. Und die alte Art, auf drei Steinen zu kochen kostet zuviel Energie. Die neuen, billigen ‚Roumdé’-Herde sparen 40% Holz. Wir tragen zwei Drittel, die Abnehmer ein Drittel der Kosten: Hilfe zur Selbsthilfe!
Auch die Frauenschulung soll weitergehen, aber Prosper macht ihnen klar (Bild oben), Schritt für Schritt, für kleinere Gruppen und während der Trockenzeit, wenn auf den Feldern nichts zu tun ist.
Wir haben genug Erfahrungen in anderen Dörfern gesammelt– 1000 €uro pro Kurs reichen da oft schon. Und eines Tages wollen wir mit unsern Ärzten Augenkranke im Ort versorgen.
Prosper: „Schritt für Schritt…“ Prosper erklärt es allen und sie sind’s zufrieden.
Beim Abschied erzählen wir ihnen vom eisigen deutschen Winter, aus dem wir gerade kommen, von minus 15 Grad und Schnee. Und von der Freude, hier zu sein, im Land der Burkinabé, der „Aufrechten“. Aber was Schnee ist kann sich hier niemand vorstellen.
Dr. Rolf Pflücke – Januar 2010.
Am Samstag, große und erfolgreiche Sammelaktion – am heutigen Montag Verladung und Versand! Herzlichen Dank allen Spendern und Mitarbeitern für das gute Sammelergebnis am letzten Samstag!
Sie haben uns ca. 950 Kartons mit Baby-, Kinder- und Erwachsenenkleidung, Bettwäsche und Schuhe gebracht. Dazu kamen viele Werkzeuge und Gartengeräte, Küchen- und Elektrogeräte, 13 Fahrräder für Groß und Klein, 8 Paar Krücken, 10 Kinderwagen/Buggys, 4 Nähmaschinen, viele Lebensmittel und Toilettenartikel, Spielsachen und vieles mehr was wir gar nicht alles im Einzelnen aufzählen können.
Unser Team mit Emma Albert (Oberhausen) Barbara Eicher, Claudia Romstein (beide Huttenheim), Judith Jungkind (Rheinsheim), Sabrina Horn (Philippsburg), Peter Pelz (Waghäusel), Alois Bräutigam und Dieter Notheisen (Oberhausen), Jürgen Jurkowitz (Philippsburg) und Helmut Gramlich (Langenbrücken), hatten wieder alle Hände voll zu tun, die Spenden entgegenzunehmen, zu ordnen und zum Teil neu zu verpacken.
Herzlichen Dank auch für Ihren Transportkostenanteil von 1.016,13 Euro und zusätzlich 650,– Euro zweckgebunden für unsere Hilfsprojekte unserer 3. Welt-Koordinatoren Hans-Peter Dentler und Dr. Rolf Pflücke. In einem neuen Projekt wird Dr. Pflücke missbrauchte Mädchen und Kindermütter aus dem Kriegsgebiet im Ost-Kongo herausholen, ihnen eine neue Heimat geben und eine Ausbildung ermöglichen.
Da der Transport 1.600 Euro kostet, hoffen wir von der Landesstiftung Baden-Württemberg weiterhin einen Zuschuss zu bekommen, um die Unterdeckung bei den Transportkosten auszugleichen.


Gleich Montagfrüh wurde ein riesiger Lastzug beladen, der die vielen Hilfsgüter nach Rumänien zum Heim für Straßenkinder in Bocsa und zu Sr. Katharina und Mitschwestern ins Dorf Tirol, den ehemaligen „Banater Schwaben“, fährt. Dafür danken wir unseren Helfern Heinrich Brand, Günter Pietsch, Hubert Moos, Dieter Notheisen, Helmut Huber und besonders Werner Bohn (Bild unten) und Mitarbeitern für die kurzfristige Hilfe mit dem Gabelstapler. Leider mussten noch ca. 400 Kartons Textilien stehen bleiben, weil sie nicht mehr drauf passten.
Diese und andere Hilfsgüter aus unserem Container-Außenlager werden am kommenden Montag – zusammen mit 15 Paletten Baumaterial, gespendet von der Fa. Baumit Bayosan in Biblis, – wieder ins Banat verschickt. Nachtrag mit unten stehenden Fotos vom 25.1.2010.



v.l.n.r. Heinrich Brand, Günter Holl, Werner Bohn, Dieter Notheisen, zwei Mitarbeiter von Werner Bohn, ungarischer Fahrer und Peter Pelz.
Weitere 24 Tonnen Baustoffe folgen am Freitag der gleichen Woche. Herzlichen Dank der Fa. Baumit Bayosan in Bad-Hindelang, die uns in nur einem Jahr Bau- und Isoliermaterial im Wert von 120.000 Euro gespendet hat. Damit werden Sozialgebäude in Osteuropa saniert für die sonst kein Geld zur Verfügung steht. Besonderen Dank auch der Landesstiftung Baden-Württemberg die für alle Transporte 50% der Fracht bezahlt hat.
Wir unterstützen mit Spendengeld den Einsatz der ehrenamtlich tätigen Ärzte und Apotheker von „Humedica“ in Kaufbeuren im Katastrophengebiet in Haiti.
Humedica war wieder bei den Ersten mit medizinisch versierten Helfern vor Ort, nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti. Doch die Herausforderungen dort an die Helfer sind schier unmenschlich, wie wir alle am Fernseher und im Internet sehen konnten.
Die Hilfsorganisation Humedica in Kaufbeuren hat sich auf die medizinisch/technische Hilfe bei Katastropheneinsätzen spezialisiert. Sie hat eine Datenbank mit rund 400 Ärzten und Apothekern, die bereit sind – oft ‚Hals über Kopf‘ – ehrenamtlich zu solch gefährlichen Einsätzen zu starten. Wir unterstützen Humedica nach besten Kräften und unter Mithilfe unserer fleißigen Spender. Wir werden auch mit medizinischen Hilfsmitteln helfen so gut wir nur können.
Spendenkonten:
Volksbank Nr. 10 626 200, BLZ 663 916 00
Sparkasse Nr. 203 155 809, BLZ 660 501 01
Bitte geben Sie im Verwendungszweck „Haiti“ und Ihre Anschrift an, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zu schicken können.
Silvester in der Savanne? Der Jahreswechsel wird hier kaum zur Kenntnis genommen, es ist ein Tag wie jeder andere. Die Schule hat seit Weihnachten geschlossen, die Kinder sind – wie alle im Land – in Ferien. Für Lärm sorgt an diesem Morgen allein eine Gauklertruppe, die hupend durch die Dörfer zieht, von einer Horde Halbwüchsiger verfolgt. Il faut payer, „zahl was!“, rufen sie, als ich knipse.

Stephane Souly, der Apotheker aus Pforzheim (Bild unten – links), besucht in diesen Wochen seine Familie; er ist in Bantogodo geboren, seine alte Mutter und einige Geschwister leben da. Er hat sich diesmal viel vorgenommen: mit dem Bürgermeister soll der Bau zwei weiterer Brunnen geklärt, ein Stellplatz für den vom KONVOI gestifteten Ambulanz-Mercedes geschaffen und die Frauenbildung fortgesetzt werden.



Formation des femmes: Im November hatten wir 40 Frauen ausgesucht, vier Webstühle gekauft und zwei Gewerbelehrerinnen aus der Hauptstadt bestellt, die den ‚Schülerinnen’ zeigen sollen, wie es geht. Die eine Gruppe lernte also weben, die zweite Karité-Seife sieden.
Hilfe zur Selbsthilfe, im besten Sinn des Wortes; denn die fertigen Produkte sollen auf den Markt gebracht, den Frauen eigene Einnahmen sichern. Bisher kriegen sie ja jeden Cent von ihren Männern und sind somit von deren Gunst total abhängig.
Wie schnell sie lernen: Sie führen es uns an diesem Morgen vor. Baumwolle gibt es im Überfluss auf den Feldern von Burkina Faso. Sie bürsten die Fasern, richten sie aus und zwirnen sie zu langen Fäden. Die färben sie dann – nicht anders als einst die Mayas in Mexiko oder die chinesischen Seidenspinner lang vor unserer Zeit. Am Anfang hatten sie Mühe mit dem ‚Schiffchen’, das die beiden Fadensysteme verkreuzt. Doch jetzt klappt es. Die Muster sind einfach, aber solide. Die ersten gewebten Decken und Tücher wurden bereits mit gutem Gewinn auf den umliegenden Märkten verkauft, Dutzende neuer Bestellungen angenommen.
Und weil jedes gute Beispiel Schule macht möchten sie jetzt fünf weitere Webstühle kaufen, jeder kostet rund 120 €. Denn viele andere Frauen im Dorf wollen nun auch mitmachen.
Im Unterschied zum Weben ist das Seifesieden einfach und schnell. Die zweite Frauengruppe führt es uns in der alten Schule vor. Rohmaterial (Karité-Nüsse) gibt es genügend in der Savanne, man muss sich nur mit den Besitzern der Bäume einigen. Entschalt wird das Fleisch der Nüsse aufgekocht, mit Natronlauge und Duftstoffen vermischt, in Formen gegossen und über Nacht unter einem feuchten Tuch abgekühlt. Fertig ist die Seife. Auch dazu ist eine Berufsschullehrerin aus Ouagadougou angereist, nach vier Abendkursen können es die Frauen selber.


Die fertigen Würfel finden auf dem Dorfmarkt reißenden Absatz. Denn Seife wird hier weniger für Hände- und Körperhygiene als zum Wäschewaschen benutzt. Zufriedene Gesichter auch hier. Die Utensilien wie Eimer, Rührstöcke und Formen beschaffen sie mit den Einnahmen selber.
Das T-Shirt der Lehrerin trägt die sinnige Botschaft: Happyness is yelling, auf Deutsch: Das Glück schreit nach Dir! (Aber das bleibt der Trägerin ja verborgen).
Was kann der KONVOI im neuen Jahr zum Glück der Leute von Burkina beisteuern? Zweihundert weitere Augenkranke warten auf ihre Laserbehandlung oder im Fall der Trachom-‚Blinden’ auf eine rettende Operation (zusammen 700 €). Wie auch Tengso Naaba, der alter Dorfchef (Bild unten).

Die Maternité hat endlich ihr neues Entbindungsbett (Foto folgt), aber die Babys erblicken nachts noch immer das Licht der Taschenlampen, nicht der Welt. Eine Mini-Solaranlage (40-Watt) auf dem Dach wäre vonnöten (500 €).
Dann der Schulgarten und ein paar Fahrräder für weit entfernt wohnende Kinder. Fünf zusätzliche Webstühle, der Stellplatz für den gespendeten Krankenwagen – die Liste ist lang.
(Dr. Rolf Pflücke, 2.1.2010)
Unser gesamtes Team wünscht allen Lesern viel Glück und Gesundheit im Neuen Jahr! Wie mit vielen anderen Hilfsorganisationen nehmen wir gerne wieder die Herausforderung an, die Welt im neuen Jahrzehnt ein bischen gerechter und friedlicher zu machen.
Helfen Sie bitte nach besten Kräften mit! Jeder hat die Möglichkeit, etwas dazu beizusteuen.
Unsere Mitmenschen, die nicht das Glück hatten – wie wir – in Wohlstand hineingeboren worden zu sein, haben es verdient, dass wir ihnen helfen sich selbst zu helfen, um sich aus Armut und Hoffnungslosigkeit zu befreien.
Herzlichen Dank!
Das Konvoi-Team dankt allen Spendern und allen Mitmenschen, die zum guten Gelingen unserer Hilfsaktionen im Jahre 2009 beigetragen haben und wünscht
FRÖHLICHE WEIHNACHTEN UND VIEL GLÜCK, GESUNDHEIT UND GOTTES SEGEN IM NEUEN JAHR !
Das Mädchen in der vorderen Schulbank der zweiten Klasse: aufgeweckt, neugieriger Blick. Als ich die Kinder frage, was sie mal werden wollen, hebt Fatima als erste den Finger: „Polizistin“. Klar, beim Staat bekommt man Essen, Kleidung und Unterkunft gratis. Für die Eltern dieser armen Kinder gibt es nichts Wichtigeres.
Fatima, erste Klasse
Wir sind in der kleinen Dorfschule von Saaba, östlich von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Drei Klassenzimmer, aus Lehmziegeln erbaut, mit billigen Wellblech gedeckt. Saaba ist binnen weniger Jahre aus dem Nichts entstanden. Ein typisches Zuwandererdorf – ohne Wasser, Strom und Krankenstation. Eine wilde Siedlung also.
Die 450 Einwohner sind zumeist Schmiede, in Burkina Faso ist das eine angesehene Zunft – doch sie leben von Gelegenheitsarbeiten. Ihre Hütten sind erbärmlich, nackte Lehmwände, offene Fensterhöhlen, ein billiges Blechdach. In den Sommermonaten unerträglich heiß, im Winter bei Nacht bitter kalt. Brutstätten von Ungeziefer und Krankheiten.
Freund Prosper hatte uns eines Morgens dorthin geschleppt – mit einem Hintergedanken, wie sich zeigte. Die Schule hatte er mit ein paar Dorfbewohnern und einem Bankkredit von 2000 € eigenhändig gebaut. Nun aber war ihnen das Geld ausgegangen. Es reichte gerade noch für ein billiges Blechdach und ebenso einfache Fenster und Türen.
Die Dorfschule – aus Lehmziegeln
Die Eltern brachten mit Mühe das Geld zusammen – rund 30 € pro Kind fürs erste Schuljahr – dass drei Lehrerinnen angeheuert werden konnten; eine für jede Klasse. Die Kinder haben weder ein Pausenbrot noch Geld für Wasser. Doch mit leerem Magen studiert sich’s auch hier nicht.
Freund Prosper kauft Schulhefte
Also fahren wir tags darauf noch einmal hin, im Auto drei Plastikfässer, 100 Trinkbecher und ebenso viele Schulhefte und Bleistifte. Mangels Schreibutensilien nutzen die Lehrerinnen Cola-Deckel zum Rechnen). Und wir hinterlassen genügend Geld, damit die Wassertonnen einen Monat lang täglich aufgefüllt werden können.
Die Mütter der Schulkinder sind überglücklich. Und sie gestehen mir ihren größten
Wunsch: „Monsieur, wir würden gern selber lesen und schreiben lernen und wenn
möglich auch einen Beruf: Seifeherstellen oder Tuch weben..“
Das gehe aber nur abends – weil sie alle tagsüber zuviel Arbeit haben. Mit anderen Worten: Die Schule brauche einen Raum mit elektrischem Licht.
Zurück in der Hauptstadt rufe ich einen Elektriker an und bitte ihn um den
Kostenvoranschlag für ein simples Solardach: eine Paneele, 40 Watt,
Transformator und Batterie für drei Energiesparlampen. Es ist billiger als ich dachte: rund 500 €. Stromerzeuger mit Diesel sind jetzt out in Afrika, denn Solarenergie tut’s ohne laufende Kosten und Mühen. Diesel müsste ja ständig im Eselkarren beigeschafft werden. Außerdem schont Solarenergie die Umwelt.
Dazu die Kosten für eine Grundschul- und eine Gewerbelehrerin (vier Monate), alles zusammen etwa 1000 €.
Frauen backen Erdnusskringel
Das Solardach und die Energiesparlampen könnten bis Mitte Dezember montiert werden, die Abendschule für die 25 Frauen noch vor Weihnachten beginnen. Sie würde bis Mai dauern, bis zur nächsten Regenzeit; danach sind die Frauen wieder bei der Aussaat auf den Feldern .
Wir möchten sie bei der Alphabetisierung und gewerblichen Schulung unterstützen, um ihren Familien die Existenzgrundlage zu sichern.
Das könnten wir mit mehr Hilfe auch in den ebenso armen Nachbarorten. Denn überall drängen die Frauen heute in die Schulen, wollen lesen und schreiben lernen und Handarbeiten wie Weben und Seifesieden. Doch nirgendwo in der Savanne gibt es Mittel und Einrichtungen dafür.
(Dr. Rolf Pflücke, 7.12.09)