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Der Ort ist abgelegen und selbst mit dem Jeep kaum zu erreichen.
Damsi und die zwei Nachbardörfer haben 6000 Einwohner – doch keine funktionierende Krankenstation (CSPS).
Bürgermeister Kaboré, den wir zuerst besuchen, zeigt uns die Lage auf seiner Karte: 19 Dörfer zählt seine Kommune – rund 38000 Einwohner. Doch Damsi liegt weitab im Westen, 20 km von seinem Rathaus entfernt. Und 13 km von Sádogo, wo die nächste Krankenstation steht.
Als eine junge Mutter in Damsi vor zwei Jahren Zwillinge entband und mit starken Blutungen per Moped (!) ins entfernte Sádogo gebracht wurde, kam alle Hilfe zu spät; sie starb unterwegs.
Der Bürgermeister wandte sich verzweifelt an das Gesundheitsministerium. Nach langem Hin und Her kam die erlösende Nachricht : das CSPS wurde zu Anfang 2011 gebaut.
Bürgermeister Kaboré mit dem Lageplan seiner Kommune
Doch im Haushaltsplan der Gemeinde sind keine Mittel da für die Einrichtung der Station, für Betten, Rollstühle und Untersuchungsgeräte. Für eine ‚Mobilette’, einen Krankentransport.
In seiner Not wandte sich der Bürgermeister an den Konvoi-der-Hoffnung.
Kurz vor Weihnachten besuchten wir den Ort, tief in der Savanne. Für 20 km brauchten wir über eine Stunde, dabei ist jetzt Trockenzeit. Im Sommer, nach schweren Regen, ist die Strecke kaum passierbar und ein Nottransport von Damsi nach Sádogo unmöglich. Die eigene Station könnte Leben retten.
Das Ministerium wäre bereit, zwei feste Krankenpfleger zu entsenden, ihren Unterhalt trägt die Staatskasse. Doch für alles weitere muss die Gemeinde aufkommen.
Im Gefolge des Bürgermeisters und zweier Schullehrer schauen wir uns um: die Baufirma hat erstklassige Arbeit gemacht. Vier gut verputzte und saubere Zimmer, Räume für die stationäre Behandlung, ein Büro für die Krankenpfleger. Selbst an die Deckenventilatoren ist gedacht – wo es doch weit und breit keinen Strom gibt. Aber vielleicht kommt der ja irgendwann.
Mit 8000 bis 10.000 Euro ließe sich die Krankenstation ausrüsten. Mobilette (Moped-Ambulanz) inbegriffen. Fünf Betten für stationäre Fälle, eine Liege für ambulante Untersuchungen, ein großer Kühlschrank samt Gasflaschen, ein Infusionsgalgen, Stühle und ein Schreibtisch für das Büro. Sowie Wandregale und Kleingeräte wie eine Waage und Stethoskope.
Als wir die leere Krankenstation verlassen warten draußen schon viele Leute. Ein ‚Weißer’ sei da, hat sich im Dorf herumgesprochen. Nun meinen viele, der Fremde sei vielleicht ein Albert Schweizer, der sie auf der Stelle untersuchen und heilen könne. Doch soweit ist es noch lange nicht.
Gibt es vielleicht doch einige freigiebige Spender, die uns dabei helfen wollen?
Dr. Rolf Pflücke – 23.12.2011
Tabi und Louis sind zwei ehemalige Kindersoldaten, die von den Mayi-Mayi-Rebellen im Ostkongo gefangen und am Gewehr ausgebildet wurden. Ihr Freund Wedi war zehn, als die Söldner ins das Gehöft kamen. Die Eltern wurden verhört und der Vater vor seinen Augen erschossen. Den Jungen nahmen sie mit und zwangen ihn zum Dienst an der Waffe. Zehntausende von Kids teilten sein Schicksal, sie wurden als Halbwüchsige zu Mördern gemacht.
Nach dem Völkermord im Nachbarland Ruanda (1994) waren Hunderttausende von Menschen in den Ostkongo geflohen.
Und da es keine Ordnungskräfte gab, bildeten sich Milizen, die ihr eigenes Recht schufen, raubten, vergewaltigten und nach Belieben töteten. Viele von ihnen waren zwangsrekrutierte Kinder.
In dem Gebiet lagern wertvolle Bodenschätze, Gold, Kupfer und seltene Erden wie Coltan (ohne die keines unserer Handys funktionieren würde). Und Flugzeuge, die für die Kriegsherren wertvolle Erze ausfliegen, entladen bei Rückkehr Waffen und Munition. Die UN sind nicht in der Lage, den Frieden in diesem weiten, unkontrollierbaren Land zu sichern.
Tabi, Louis und Wedi sind heute fast erwachsen. Als Kindersoldaten haben sie Schreckliches erlebt und getan. Ihr Glück: vor zwei Jahren fanden sie zur NGO
APPROVI, einer Partnerorganisation des deutschen Konvois-der Hoffnung.
APPROVI betreut über 800 ehemalige Kindermilizionäre. Sie bekommen dort eine berufliche Ausbildung und bürgerliche Werte vermittelt. Und sie lernen, sich vor dem HIV-Virus zu schützen, das im Ostkongo wie eine Epidemie um sich greift.

Doch APPROVI mangelt es an Mitteln. Mit 8000 Euro ließe sich ein neuer, mehrmonatiger Wiedereingliederungs-Kurs für Kindersoldaten finanzieren. Der Konvoi-der-Hoffnung e.V. würde die Aufsicht übernehmen.
Dr. Rolf Pflücke – 23.12.2011
Das Konvoi-Team dankt allen Spendern und allen Mitmenschen, die zum guten Gelingen unserer Hilfsaktionen im Jahre 2011 beigetragen haben und wünscht
FRÖHLICHE WEIHNACHTEN UND VIEL GLÜCK, GESUNDHEIT UND GOTTES SEGEN IM NEUEN JAHR !
Gestern wurde der 21. Lastzug mit Hilfsgütern in diesem Jahr beladen und auf den Weg nach Osteuropa gebracht. Er kam mit 19 Tonnen Baustoffen – einer weiteren Spende der Fa. Baumit GmbH – aus Oer-Erkenschwick. Oben drauf und im hinteren Teil wurden dann aus unserem Lager in Oberhausen-Rheinhausen noch 6 Tonnen Sammelgüter aus unserer Sammelaktion vom 26. November geladen und an die Gemeindeverwaltung Mucsi im südlichen Ungarn geliefert. Dort werden mit den Baustoffen Hochwasser- und Sturmschäden an verschiedenen Gebäuden repariert. Die gesammelten Hilfsgüter, wie Kleidung, Schuhe, Fahrräder, Kinderwagen, Werkzeuge usw. werden an arme Menschen und kinderreiche Familien gegeben.
Herzlichen Dank allen Spendern sowie unserem Verladeteam mit Alfred Ebner, Joachim Engelsberger, Albrecht Hartkorn, Jürgen Jurkowitz, Hubert Moos, Günter Pietsch, Manfred Rölleke, Ludwig Zimmermann und besonders Landwirt Werner Bohn mit seinem Gabelstapler und den drei jungen, starken Mitarbeitern Helmut, Marius und Martin!



Sie, wie alle freiwilligen Mitarbeiter, Auslands-Koordinatoren, Vorstände und Vereinsmitglieder unserer Hilfsorganisation arbeiten ohne Vergütung und zahlen sogar ihre Fahr-, Flug- und Verwaltungskosten aus eigener Tasche.
Bei uns kommt jeder Spenden-Euro bis auf den letzten Cent direkt bei den hilfsbedürftigen Menschen an! Darauf sind wir besonders stolz und sehr dankbar!
In der Savanne ist das Leben meist kurz; die Menschen haben kein Geld für einen Arzt oder für Medikamente. Und wenn – wie im Fall von Mamunata – der Mann stirbt und seine arme Frau mit fünf Kindern zurück lässt, so nimmt sich dessen Familie ihrer an. Gewöhnlich ist es ein Bruder des Toten, der die Witwe heiratet und versorgt. Doch wenn sie zu alt ist fällt sie oft allen zur Last.
So fiel das Geschenk des KONVOIs für die 51-Jährige gleichsam vom Himmel. Jetzt ist sie eine gemachte Frau, sie kann im kleinen Weiler für die anderen Großfamilien mit ihren rund 60 Mitgliedern Sand und Ziegelsteine transportieren, die Ernte einholen und zum Markt fahren. Kurzum: sich nützlich machen und dabei was verdienen. Zwei der älteren Kinder werden den Esel versorgen.
Auch die Witwe Koudbi Ouedraogo bekam vom KONVOI ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk.
Das Grab ihres Mannes liegt unweit vom Gehöft; er ist 2007 an Malaria gestorben. Bauernfamilien mit Land erlaubt der burkinische Staat, ihre Toten auf dem eigenen Acker zu bestatten, auch wenn es aus hygienischen Gründen nicht mehr gern gesehen ist.
Assami, der Bruder des Verstorbenen, hat die Schwägerin geheiratet und kümmert sich um ihre sechs Kinder. Wo es keine andere soziale Sicherheit als den Familienverband gibt, die Frau keinen eigenen Besitz hat, keine Rücklagen, keine Rente, ist das ihre einzige Überlebenschance.
Auch im Gehöft der Ouedraogos tummeln sich zwölf Kinder. Vier Einfache Lehmhütten, zwei Frauenhäuser und ein paar Mörser. In dieser Gegend sind alle Hirsebauern. Doch da die Ernte dieses Jahr sehr dürftig war, müssen die beiden Brüder sehen, wie sie die vielen Mäuler stopfen.
Da kommt das Gefährt gerade recht.
Mit Hilfe der Münchner Spende konnten bisher 14 solche ‚Kleinlaster’ verschenkt werden. Wir wählen vor allem arme Frauen aus, Witwen, deren Leben durch so ein Eselgespann neuen Sinn und Wert bekommt. Voller Stolz dreht Koudbi eine Runde.
Dr. Rolf Pflücke – 15. Dezember 2011
Der Kinderhort hat ein Vordach bekommen, bei einer Mittagshitze von über 40 Grad unentbehrlich.
Die Kleinen warten schon aufgeregt. Wir sind mit zwei Säcken Reis gekommen, Dosen mit Tomatenmark und einem Kanister Palmöl. Sowie den beiden Energiesparherden samt passenden ‚Marmites’, Kesseln. 

Inzwischen sind 68 Kinder zu betreuen. Die beiden Aufpasserinnen Olga und Sahra geben sich zwar alle Mühe. Doch sie sind keine ausgebildeten Kindergärtnerinnen. Wie hält man die Rasselbande ruhig und was tut man, wenn sie dringend ‚klein’ oder ‚groß’ müssen?
Über die Hälfte der Menschheit verrichtet ihr ‚Bedürfnis’ noch immer in freier Natur; hier ist es die Savanne hinter der Lehmhütte. Das klingt zwar exotisch, ist aber fatal. Denn Infektionskrankheiten wie Durchfall, Ruhr und Cholera könnten durch ‚Buschlatrinen’ verhindert werden.
Dazu braucht es frühkindliche Anleitung. Als nächstes muss also ein Außenklo her, werden die Kinder Reinlichkeit lernen.
Dr. Rolf Pflücke – 12.12.2011
Sieh an, es geht doch auch miteinander! Die Männer rühren den Mörtel an und die Frauen säubern das Gelände. Für Afrika ein ungewohntes Bild, wo die ‚niederen’ Arbeiten den Frauen vorbehalten sind und die Männer nur gegen Lohn zu einer Schaufel greifen. 
Heute packen alle an, denn es eilt.
Der Kinderhort muss in einer Woche fertig sein; Gemeinderat und Dorfälteste haben sich angekündigt. 
Und vor denen wollen sie sich doch nicht blamieren!
Es war die Idee der Mütter von Gonsé. Sie müssen morgens in die Savanne, Feuerholz holen, den Hirsebrei kochen. Und an zwei Wochentagen tragen sie das Gemüse zum Markt und verkaufen die Karitébutter und –seife, die sie mit Hilfe des KONVOIs produzieren.
Warum soll, was in der reichen Welt üblich ist, nicht auch in der armen funktionieren: Die Kinder an zwei Wochentagen im Hort abliefern, damit man freie Hand hat für die übrigen Dinge. In der patriarchalischen Welt Afrikas, wo die Frau schuftet und der Mann den Pascha spielt, ist das ein Fortschritt!
Unter Aufsicht von Lehrer Leonard und Marcel vom Bürgerkomitee meldeten Mütter aus fünf Ortsteilen ihre Kinder an, zunächst vierzig an der Zahl.
Jede Frau musste sich verpflichten, einmal die Woche, gemeinsam mit vier anderen, Kindergärtnerin zu spielen und die Kleinen zu betreuen.
Doch die Rechenaufgabe machte ihnen großes Kopfzerbrechen. Denn 5 x 7 Tage sind 35; doch da waren 40 Frauen, „fünf zuviel!“
Am Ende kamen sie zur salomonischen Einsicht: Die fünf sind ein ‚Puffer’: Es könnte ja immer mal eine krank sein… 
Lehrer Leonard und Marcel
Der internationale Club Soroptimist in Baden-Baden hatte 2000 € gespendet. Damit wurde ein kleines, verlassenes Haus umgebaut, es bekam zusätzliche Fenster, eine Flügeltür und ein neues Dach. Der Innenputz wurde erneuert und ein Zementfußboden gelegt. 
Wie sie das lieben: ein Gruppenbild!
Eine Woche später soll es nun losgehen. Doch der Schreiner ist mit den Möbeln nicht fertig geworden und der Maurer braucht noch ein paar Tage für das Schattendach.
Und plötzlich sind aus den 40 Kids über 60 geworden. Die Kunde vom fabelhaften „Kinder- Depot“ hat sich wie ein Lauffuer verbreitet und viele Mütter haben noch nachgemeldet. 
Größtes Vergnügen der Dorfbewohner ist das Feiern. Dem Instinkt folgend bin ich am Morgen bei einer Bäckerei vorbeigefahren und habe zwei Säcke voller Baguettes gekauft. Da Brot in Burkina Faso preisgebunden ist, eine große ‚Flöte’ kostet nur 0,25 €, war das billig. 

Doch ich hätte besser gleich zwanzig Säcke voll mitgebracht. Denn da ist das ganze Dorf versammelt: Mütter und Kinder, der vollständige Dorfrat, die fünf ‚weisen Männer’, der alte Marabu und zahllose Zaungäste.
Bin ich Hermes? Hundert Hände strecken sich mir entgegen, jeder will mich begrüßen, als wär ich der Götterbote.
Wer verrät mir einen Trick, diesem lästigen Ritual des ‚Alle-Hände-Schüttelns’ zu entgehen? Selbst Zweijährige halten mir schon ihre Händchen hin. Und die Dorfältesten wiederholen den Prankentausch gleich zwei oder drei Male.
Nun ist es schwer, die Dorfbewohner zum kollektiven Handeln zu bewegen. In der Not ist sich jeder selbst der Nächste und die Sippe geht allemal vor.
Doch in Gonsé ist es dank Lehrer Leonard gelungen, ein Wir-Gefühl zu schaffen.
Die Frauen bekamen von uns eine Werkstatt mit Solardach, wo sie gemeinsam Karitéseife fertigen und alphabetisiert werden. 
Mit Lehrer Leonard und dem Dorfrat
Auch für den Kinderhort haben sie ein ‚Wir-System’ gefunden: die rotierende Betreuung der Kinder durch die Mütter und die Einzahlung eines kleinen Startkapitals.

Einige schleppen Säcke mit Hirse und Bohnen an. Denn die Kinder sollen ein tägliches Essen bekommen.
Der KONVOI wird neben dem Haus und der Einrichtung zwei große Ökoherde stiften. So nimmt das Projekt ‚Bisongo’ einen guten Anfang. Und die Kinder sind gespannt, was da wohl kommen werde. 
Wie diese Zwillinge: Valentin & Valentine
Dr. Rolf Pflücke – November 2011