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04.02.2012 | Sandogo – Hoffnung am Ende der Welt

Ein neuer Notfall: im abgelegenen Savannendorf Sandogo platzt die Schule aus allen Nähten. Letztes Jahr meldete man über 200 Kinder an, die Hälfte musste abgewiesen werden.
Das alte Gemäuer hat Risse, droht einzustürzen. Bild2 4.2.12                                      98 Schüler drängen sich in einer Klasse, viele andere üben draußen an einer Wandtafel.Bild3 4.2.12Bild1 4.2.12
Der Gemeinderat erwartet uns schon unterm Palaverbaum und sein Sprecher Monsieur Norbert schildert die Lage.Bild5 4.2.12
Sandogo liegt am Rand des Distrikts, über 20 km vom Rathaus entfernt und bis zur nächsten Sekundärschule sind es 18 Km. Für all jene Kinder, die nach der Grundschule weitermachen wollen, ist der Weg viel zu weit.Bild4 4.2.12
Das haben mir im Rathaus Bürgermeister Kaboré und Lehrer Leonard anhand einer Karte erklärt. Eine weiterführende Schule wäre ein enormer Fortschritt für Sandogo, das mit seinen verstreuten Ortsteilen rund 17.000 Einwohner hat.
Hunderte von begabten Kids hätten dann eine Chance auf Weiterbildung und erheblich bessere Berufschancen.
Der Gemeinderat hat alles getan, um dem Andrang zur Grundschule zu begegnen. Doch für eine Sekundärschule haben weder Staat noch Kommune Geld.Bild6 4.2.12
Was die Lage so verschlimmert: Die Brücke auf dem Weg nach Sandogo ist bei Sturzbächen im Sommer eingestürzt. Fünf große Dörfer sind seither während der Regenzeit von der Außenwelt abgeschnitten.
Die Ratsmitglieder schauen mich erwartungsvoll an. Doch d i e s e Baustelle ist selbst für unseren Konvoi-der-Hoffnung e.V. zu groß.
Da müssen internationale Geldgeber ran, die KfW, die Weltbank oder die EU.
Sandogo ist ein aufstrebendes Dorf, sein Markt zieht jede Woche einige Tausend an, ein Umschlagplatz in der Savanne. Die verzweifelte Lage hinter dem Wadi und jenseits der kaputten Brücke setzt Kräfte frei.Bild7 4.2.12
Der Bürgerrat hat 500 000 Francs (800 €) für einen Schuppen gesammelt, für Schulbänke, Lehrmaterial. Und mit vereinten Kräften errichteten sie paillotes, simple Unterstände mit Strohdach, die als Klassenräume dienen.
Doch zu Beginn des nächsten Schuljahres im Oktober wird die Sorge noch größer sein: Was sagt man all den b e g a b t e n Kindern, die auf eine höhere Schule wollen?Bild8 4.2.12
Weitab der Schule sehen wir Kids an einem Brunnen; sie holen Wasser für den Unterricht. Wie sauber mag das sein, wo täglich Kühe und Esel dort rasten und ihre Notdurft verrichten.entfernter Lochbrunnen
Aber es gibt weiter weg eine noch schlimmere und vor allem gefährlichere Brunnen-Variante. Hier können nicht nur Tiere sondern auch Kinder hineinfallen!                                                                                                                                 Wir werden gemeinsam mit dem Bürgerrat Pläne schmieden für eine weiterführende Schule, Kostenvoranschläge erstellen für die Gebäude und einen Tiefbrunnen mit mechanischer Pumpe.
Wer weiß – vielleicht finden wir ja in Deutschland offene Herzen und Türen.

Dr. Rolf Pflücke – 3.2.2012

30.01.2012 | Überleben in der Savanne

Der Abendkurs ist zu Ende; Lehrer Leonard schaltet das Solarlicht aus, die 35 Frauen verlassen ihr liebgewordenes „Atelier“, das ihnen der KONVOI 2010 gebaut hat und gehen nach Hause.
Bei der Alphabetisierung in Gonsé sind sie ebenso eifrig bei der Sache, wie die 40 Frauen im nahen Bantougdo, die in ihrer Werkstatt abends Lesen und Schreiben lernen und tagsüber Decken aus Baumwolle weben.
Die 30 in Saaba nicht vergessen, denen wir ja kürzlich ebenfalls ein „Atelier“ gebaut haben.
Leonard steigt auf seine Tretmühle, um über den vertrauten Feldweg heim zu fahren.GSB Bild1 01 12                              Doch unterwegs kracht die Kette, er muss das Moped 9 Km weit durch die Nacht schieben. Es ist stockdunkel; nur das Handy liefert ein fahles Licht.
Als er gegen Mitternacht daheim ankommt sind die Seinen in heller Aufregung.
Zum zweiten Mal in drei Wochen hat ihn seine chinesische ‚Kaizer’ im Stich gelassen. Aber sein dürftiges Lehrergehalt reicht nicht für ein neues Fahrzeug.GSB Bild2 01 12
Zumal er jetzt dringend in Eigenarbeit die Mauer um sein Haus hochziehen muss, um Hühner, Esel und Geräte vor Dieben zu schützen. Wir haben ihm stets nach Kräften geholfen.
Aber die Unterstützung der Gemeinschaft geht stets vor. Also hat er sich verschuldet, einen Kredit aufgenommen und macht nun viermal die Woche den Abendkurs Alphabetisierung 2 für die Frauen von Gonsé.
Am nächsten Morgen bin ich auf dem Weg in den Nachbarort Bantougdo und bringe ihn samt seinem Moped zum Mechaniker.GSB Bild3 01 12
Unterwegs machen wir Halt beim neu erbauten Kinderhort, die Kleinen begrüßen uns wie immer begeistert. Denn sie wissen, der Onkel bringt ihnen wieder was mit. Diesmal sind es zwei Säcke Reis, Sardinen, Tomatenmark und vier große, saftige Melonen.
Die beiden Kindergärtnerinnen machen gute Arbeit. Statt der ursprünglich angemeldeten 40 Kleinen im Alter von drei bis sechs müssen sie eine Bande von bald sechzig ruhig halten. Aber Olga und Sahra haben das im Griff; Mädchen und Buben reißen sich geradezu darum, nach vorn gerufen zu werden, um Buchstaben und Zahlen zu entziffern.GSB Bild4 01 12
Dank großherziger Spenden aus Deutschland haben die Kinder nun Spielgeräte – Schaukeln, Wippen und eine Rutschbahn.
Die Betreuerinnen bekommen ein kleines Salär und die Mütter kochen jeden Tag ein nahrhaftes Essen.GSB Bild5 01 12              
Kochen mit dem Ökoherd                     GSB Bild6 01 12
Es gibt Reis mit Sardinen                             GSB Bild7 01 12                                                  Jeder will mal schaukeln
Im benachbarten Bantógodo sind die Frauen am Weben. In der Trockenzeit arbeiten sie lieber im Freien, unter dem offenen Dach neben der Werkstatt ist es heller.
Die Decken werden ihnen auf dem Markt aus den Händen gerissen. Denn nachts ist es jetzt kühl, „nur“ 16 Grad. Da braucht jeder zum Schlafen eine Wolldecke.GSB Bild8 01 12
Webstühle vom KONVOI
Der Bau der Sekundärschule geht dem Ende zu.GSB Bild10 01 12
Die Zwischendecken (Hitzedämmung) werden eingezogen und die restlichen Fenster und Türen eingebaut. Fehlen noch Innenböden, das Solarlicht und die Anlage der Außenfront mitsamt der umlaufenden Pergola.GSB Bild9 01 12 1 Es wird ein Prachtstück von Schule!
Auf dem Heimweg halten wir bei einem Kapokbaum. Eine Frau schüttelt Blüten herunter, die eine gallertartige Soße ergeben für den täglichen Hirsebrei. So arm sind die Leute hier, dass sie der Natur alles Essbare abgewinnen.GSB Bild11 01 12GSB Bild12 01 12
Die letzte Ernte war so karg, daß jetzt viele in der Savanne am Hungertuch nagen. Dabei steht der Höhepunkt der Trockenzeit noch bevor. Umso dringlicher, den Kindern dieser Frauen Schulen zu geben und Nahrung, kurzum – eine Zukunft.

Dr. Rolf Pflücke – Jan. 2012

30.12.2011 | Neue Krankenstation für Damsi

Der Ort ist abgelegen und selbst mit dem Jeep kaum zu erreichen.Damsi Bild1 12 11
Damsi und die zwei Nachbardörfer haben 6000 Einwohner – doch keine funktionierende Krankenstation (CSPS).
Bürgermeister Kaboré, den wir zuerst besuchen, zeigt uns die Lage auf seiner Karte: 19 Dörfer zählt seine Kommune – rund 38000 Einwohner. Doch Damsi liegt weitab im Westen, 20 km von seinem Rathaus entfernt. Und 13 km von Sádogo, wo die nächste Krankenstation steht.
Als eine junge Mutter in Damsi vor zwei Jahren Zwillinge entband und mit starken Blutungen per Moped (!) ins entfernte Sádogo gebracht wurde, kam alle Hilfe zu spät; sie starb unterwegs.
Der Bürgermeister wandte sich verzweifelt an das Gesundheitsministerium. Nach langem Hin und Her kam die erlösende Nachricht : das CSPS wurde zu Anfang 2011 gebaut.Damsi Bild2 12 11
Bürgermeister Kaboré mit dem Lageplan seiner Kommune
Doch im Haushaltsplan der Gemeinde sind keine Mittel da für die Einrichtung der Station, für Betten, Rollstühle und Untersuchungsgeräte. Für eine ‚Mobilette’, einen Krankentransport.
In seiner Not wandte sich der Bürgermeister an den Konvoi-der-Hoffnung.
Kurz vor Weihnachten besuchten wir den Ort, tief in der Savanne. Für 20 km brauchten wir über eine Stunde, dabei ist jetzt Trockenzeit. Im Sommer, nach schweren Regen, ist die Strecke kaum passierbar und ein Nottransport von Damsi nach Sádogo unmöglich. Die eigene Station könnte Leben retten.Damsi Bild3 12 11
Das Ministerium wäre bereit, zwei feste Krankenpfleger zu entsenden, ihren Unterhalt trägt die Staatskasse. Doch für alles weitere muss die Gemeinde aufkommen.Damsi Bild4 12 11
Im Gefolge des Bürgermeisters und zweier Schullehrer schauen wir uns um: die Baufirma hat erstklassige Arbeit gemacht. Vier gut verputzte und saubere Zimmer, Räume für die stationäre Behandlung, ein Büro für die Krankenpfleger. Selbst an die Deckenventilatoren ist gedacht – wo es doch weit und breit keinen Strom gibt. Aber vielleicht kommt der ja irgendwann.
Mit 8000 bis 10.000 Euro ließe sich die Krankenstation ausrüsten. Mobilette (Moped-Ambulanz) inbegriffen. Fünf Betten für stationäre Fälle, eine Liege für ambulante Untersuchungen, ein großer Kühlschrank samt Gasflaschen, ein Infusionsgalgen, Stühle und ein Schreibtisch für das Büro. Sowie Wandregale und Kleingeräte wie eine Waage und Stethoskope.Damsi Bild5 12 11
Als wir die leere Krankenstation verlassen warten draußen schon viele Leute. Ein ‚Weißer’ sei da, hat sich im Dorf herumgesprochen. Nun meinen viele, der Fremde sei vielleicht ein Albert Schweizer, der sie auf der Stelle untersuchen und heilen könne. Doch soweit ist es noch lange nicht.

Gibt es vielleicht doch einige freigiebige Spender, die uns dabei helfen wollen?

Dr. Rolf Pflücke – 23.12.2011

15.12.2011 | Lebender „Klein-LKW“ stiftet Zukunft

In der Savanne ist das Leben meist kurz; die Menschen haben kein Geld für einen Arzt oder für Medikamente. Und wenn – wie im Fall von Mamunata – der Mann stirbt und seine arme Frau mit fünf Kindern zurück lässt, so nimmt sich dessen Familie ihrer an. Gewöhnlich ist es ein Bruder des Toten, der die Witwe heiratet und versorgt. Doch wenn sie zu alt ist fällt sie oft allen zur Last.Esel Bild1 15.12
So fiel das Geschenk des KONVOIs für die 51-Jährige gleichsam vom Himmel. Jetzt ist sie eine gemachte Frau, sie kann im kleinen Weiler für die anderen Großfamilien mit ihren rund 60 Mitgliedern Sand und Ziegelsteine transportieren, die Ernte einholen und zum Markt fahren. Kurzum: sich nützlich machen und dabei was verdienen. Zwei der älteren Kinder werden den Esel versorgen.
Auch die Witwe Koudbi Ouedraogo bekam vom KONVOI ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk.Esel Bild2 15.12
Das Grab ihres Mannes liegt unweit vom Gehöft; er ist 2007 an Malaria gestorben. Bauernfamilien mit Land erlaubt der burkinische Staat, ihre Toten auf dem eigenen Acker zu bestatten, auch wenn es aus hygienischen Gründen nicht mehr gern gesehen ist.
Assami, der Bruder des Verstorbenen, hat die Schwägerin geheiratet und kümmert sich um ihre sechs Kinder. Wo es keine andere soziale Sicherheit als den Familienverband gibt, die Frau keinen eigenen Besitz hat, keine Rücklagen, keine Rente, ist das ihre einzige Überlebenschance.
Auch im Gehöft der Ouedraogos tummeln sich zwölf Kinder. Vier Einfache Lehmhütten, zwei Frauenhäuser und ein paar Mörser. In dieser Gegend sind alle Hirsebauern. Doch da die Ernte dieses Jahr sehr dürftig war, müssen die beiden Brüder sehen, wie sie die vielen Mäuler stopfen.
Da kommt das Gefährt gerade recht.
Mit Hilfe der Münchner Spende konnten bisher 14 solche ‚Kleinlaster’ verschenkt werden. Wir wählen vor allem arme Frauen aus, Witwen, deren Leben durch so ein Eselgespann neuen Sinn und Wert bekommt. Voller Stolz dreht Koudbi eine Runde.Esel Bild3 15.12

Dr. Rolf Pflücke – 15. Dezember 2011

12.12.2011 | Kinderhort – 2 Wochen später

Der Kinderhort hat ein Vordach bekommen, bei einer Mittagshitze von über 40 Grad unentbehrlich. Kinderhort Bild1 12.12.11Die Kleinen warten schon aufgeregt. Wir sind mit zwei Säcken Reis gekommen, Dosen mit Tomatenmark und einem Kanister Palmöl. Sowie den beiden Energiesparherden samt  passenden ‚Marmites’, Kesseln. Kinderhort Bild2 12.12.11Kinderhort Bild3 12.12.11
Inzwischen sind 68 Kinder zu betreuen. Die beiden Aufpasserinnen Olga und Sahra geben sich zwar alle Mühe. Doch sie sind keine ausgebildeten Kindergärtnerinnen. Wie hält man die Rasselbande ruhig und was tut man, wenn sie dringend ‚klein’ oder ‚groß’ müssen?
Über die Hälfte der Menschheit verrichtet ihr ‚Bedürfnis’ noch immer in freier Natur; hier ist es die Savanne hinter der Lehmhütte. Das klingt zwar exotisch, ist aber fatal. Denn Infektionskrankheiten wie Durchfall, Ruhr und Cholera könnten durch ‚Buschlatrinen’ verhindert werden.
Dazu braucht es frühkindliche Anleitung. Als nächstes muss also ein Außenklo her, werden die Kinder Reinlichkeit lernen.

Dr. Rolf Pflücke – 12.12.2011

28.11.2011 | Ein Kinderhort in der Savanne!?!

Sieh an, es geht doch auch miteinander! Die Männer rühren den Mörtel an und die Frauen säubern das Gelände. Für Afrika ein ungewohntes Bild, wo die ‚niederen’ Arbeiten den Frauen vorbehalten sind und die Männer nur gegen Lohn zu einer Schaufel greifen. Kinderhort Bild1 11
Heute packen alle an, denn es eilt.
Der Kinderhort muss in einer Woche fertig sein; Gemeinderat und Dorfälteste haben sich angekündigt. Kinderhort Bild2 11
Und vor denen wollen sie sich doch nicht blamieren!
Es war die Idee der Mütter von Gonsé. Sie müssen morgens in die Savanne, Feuerholz holen, den Hirsebrei kochen. Und an zwei Wochentagen tragen sie das Gemüse zum Markt und verkaufen die Karitébutter und –seife, die sie mit Hilfe des KONVOIs produzieren.
Warum soll, was in der reichen Welt üblich ist, nicht auch in der armen funktionieren: Die Kinder an zwei Wochentagen im Hort abliefern, damit man freie Hand hat für die übrigen Dinge. In der patriarchalischen Welt Afrikas, wo die Frau schuftet und der Mann den Pascha spielt, ist das ein Fortschritt!
Unter Aufsicht von Lehrer Leonard und Marcel vom Bürgerkomitee meldeten Mütter aus fünf Ortsteilen ihre Kinder an, zunächst vierzig an der Zahl.
Jede Frau musste sich verpflichten, einmal die Woche, gemeinsam mit vier anderen, Kindergärtnerin zu spielen und die Kleinen zu betreuen.
Doch die Rechenaufgabe machte ihnen großes Kopfzerbrechen. Denn 5 x 7 Tage sind 35; doch da waren 40 Frauen, „fünf zuviel!“
Am Ende kamen sie zur salomonischen Einsicht: Die fünf sind ein ‚Puffer’: Es könnte ja immer mal eine krank sein… Kinderhort Bild3 11
Lehrer Leonard und Marcel
Der internationale Club Soroptimist in Baden-Baden hatte 2000 € gespendet. Damit wurde ein kleines, verlassenes Haus umgebaut, es bekam zusätzliche Fenster, eine Flügeltür und ein neues Dach. Der Innenputz wurde erneuert und ein Zementfußboden gelegt. Kinderhort Bild4 11
Wie sie das lieben: ein Gruppenbild!
Eine Woche später soll es nun losgehen. Doch der Schreiner ist mit den Möbeln nicht fertig geworden und der Maurer braucht noch ein paar Tage für das Schattendach.
Und plötzlich sind aus den 40 Kids über 60 geworden. Die Kunde vom fabelhaften „Kinder- Depot“ hat sich wie ein Lauffuer verbreitet und viele Mütter haben noch nachgemeldet. Kinderhort Bild5 11
Größtes Vergnügen der Dorfbewohner ist das Feiern. Dem Instinkt folgend bin ich am Morgen bei einer Bäckerei vorbeigefahren und habe zwei Säcke voller Baguettes gekauft. Da Brot in Burkina Faso preisgebunden ist, eine große ‚Flöte’ kostet nur 0,25 €, war das billig. Kinderhort Bild6 11Kinderhort Bild7 11
Doch ich hätte besser gleich zwanzig Säcke voll mitgebracht. Denn da ist das ganze Dorf versammelt: Mütter und Kinder, der vollständige Dorfrat, die fünf ‚weisen Männer’, der alte Marabu und zahllose Zaungäste.Kinderhort Bild8 11
Bin ich Hermes? Hundert Hände strecken sich mir entgegen, jeder will mich begrüßen, als wär ich der Götterbote.
Wer verrät mir einen Trick, diesem lästigen Ritual des ‚Alle-Hände-Schüttelns’ zu entgehen? Selbst Zweijährige halten mir schon ihre Händchen hin. Und die Dorfältesten wiederholen den Prankentausch gleich zwei oder drei Male.
Nun ist es schwer, die Dorfbewohner zum kollektiven Handeln zu bewegen. In der Not ist sich jeder selbst der Nächste und die Sippe geht allemal vor.
Doch in Gonsé ist es dank Lehrer Leonard gelungen, ein Wir-Gefühl zu schaffen.
Die Frauen bekamen von uns eine Werkstatt mit Solardach, wo sie gemeinsam Karitéseife fertigen und alphabetisiert werden. Kinderhort Bild9 11
Mit Lehrer Leonard und dem Dorfrat
Auch für den Kinderhort haben sie ein ‚Wir-System’ gefunden: die rotierende Betreuung der Kinder durch die Mütter und die Einzahlung eines kleinen Startkapitals.Kinderhort Bild11 11 Kinderhort Bild10 11
Einige schleppen Säcke mit Hirse und Bohnen an. Denn die Kinder sollen ein tägliches Essen bekommen.
Der KONVOI wird neben dem Haus und der Einrichtung zwei große Ökoherde stiften. So nimmt das Projekt ‚Bisongo’ einen guten Anfang. Und die Kinder sind gespannt, was da wohl kommen werde. Kinderhort Bild12 11
Wie diese Zwillinge: Valentin & Valentine

Dr. Rolf Pflücke – November 2011

28.11.2011 | Afrika’s Frauen streben voran!

Seit Beginn der Trockenzeit sind die Arbeiter täglich im Einsatz und der Schulbau geht zügig voran. Mit dem Frauenverein von Bantogodo – dem Bauträger – ist vereinbart, dass die Einwohner 12.000 Stunden Eigenleistung erbringen sollen. Das Ganze darf kein Solokonzert der Weißen werden. Schulbau Bild2 NovSchulbau Bild1 Nov
Und so sieht man jeden Morgen Gruppen von Frauen Sand und Wasser schleppen.
Donnerstags bringt ein alter Bus weitere Freiwillige aus der Hauptstadt. Ouagadougou ist zwei Fahrstunden entfernt.
Ärgerlich nur, dass sich die Männer des Dorfes bisher so wenig um den Schulbau kümmern. Meist stehen sie müßig herum und schauen ihren Frauen bei der Arbeit zu. Der Grund ist, wie mir einer der Kerle zu verstehen gab, dass „wir uns grundsätzlich nur für Lohn die Hände dreckig machen’.
Freiwillige Arbeit also – unter ihrer Würde?
Die Frauen spielten da nicht lange mit. Sie machten ihren ‚Paschas’ Feuer unter den Hintern. Wie, das verrieten sie uns nicht. Ob mit Liebesentzug wie die Athenerinnen der ‚Lysistrata’?Schulbau Bild3 Nov
Aufgepasst, Paschas! Inzwischen soll es Männer geben, die mutig für ihr Dorf zur Schaufel greifen! Salmata, die Leiterin der Frauengruppe führt Buch. Über die geleisteten Arbeitsstunden wie über den Fortgang des ganzen Baues.Schulbau Bild4 Nov
Zur Zeit wird der Außen- und Innenputz aufgetragen. Und da der Mörtel mangels Strom (und Mischmaschine) von Hand angerührt werden muss, ist täglich eine Menge zu tun.
Der Bauunternehmer hat gerade die dritte Rate eingestrichen, 11 000 Euro. Er kauft jetzt die Träger und Bleche, Eisen und Anker für das Dach.
Zum Jahresende wird das Dach montiert, sollen die Fenster und Türen eingesetzt werden. Mit ein bisschen Glück könnte Anfang 2012 Könnte… die Einweihung sein.
Doch in Afrika dreht sich die Erde bekanntlich langsamer als anderswo.
Wie ein früherer Reisender schrieb: „Gott hat den Europäern die Uhr geschenkt, den Afrikanern aber die Zeit“.
Da der KONVOI unweit der Schule die Werkstatt der Frauen fertig gestellt hat – ihr Atelier –, sollen beide Bauwerke gemeinsam den Segen bekommen.Atelier Bild1 Nov
Frauenwerkstatt – das ‚Atelier’
Im Atelier soll Anfang Dezember dann der letzte Kurs der dreijährigen Erwachsenen-Alphabetisierung beginnen.
Über 50 ehrgeizige Frauen haben sich bereits angemeldet.
Bantógodo wächst über sich hinaus!

Dr. Rolf Pflücke – November 2011

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