08.02.2012 | Damsi – Notruf aus dem Busch
Savanne – klingt romantisch! Doch in der Trockenzeit ist es nur dichtes, struppiges Buschland, sind es beschwerliche Feldwege, auf denen dann und wann Radfahrer vorbeihuschen oder Frauen mit Holzbündeln auf dem Kopf.

Ob es der alte Lkw, hochbeladen mit Kranken- und Entbindungsbetten, Babywaagen, Kühlschränken und Infusionsgalgen bis Damsi schaffen würde?
Der Bürgermeister sagte später, er habe schlecht geschlafen, weil er fürchtete, die wertvolle Lieferung käme nicht an.
Auf seinen Notruf hin hatte sich der Konvoi-der-Hoffnung ganz schnell zum Handeln entschlossen. Im Ort Damsi, dem größten von vier Dörfern mit zusammen rund 16.000 Einwohnern, gibt es e i n e einzige, von der Regierung erbaute Krankenstation (Siehe blog vom 30.12.2012).
Sie steht leer, weil der Kommune das Geld, 10.000 €, für die Einrichtung fehlt.
Wir holten Kostenvoranschläge ein, sahen uns bei Handwerkern in Ouagadougou um und fanden schließlich den besten Lieferanten.
Fünf Wochen später rollt der Lkw auf seinem Weg durch den Busch vor das Rathaus. Und der kleine Bürgermeister und seine Gehilfen sind glücklich.
War nicht erst vor kurzem eine junge Gemeinderätin nach ihrer Entbindung verblutet, weil es in Damsi keine Krankenstation und Pfleger gab? Als sie per Motorrad (!) im 13 km entfernten Sandogo ankam war es zu spät.
Die Buschtrommel verbreitet es schnell: Alle Welt kommt nun angerannt, um bei der Entladung zu helfen.

Am meisten machen ihnen die schweren Kühlaggregate zu schaffen und die dazu gehörenden Flaschen. Da es im Busch keinen Strom gibt muss man sich auf diese Weise – mit Gas – behelfen.
Ob denn nun der Staat auch gut ausgebildetes Pflegepersonal entsenden werde? Kein Zweifel, sagt der Bürgermeister; die Leute seien bereits ausgewählt und sollen im März ihren Dienst antreten.
Für diesen Fall, so mein Versprechen, werde ich mich beim ‚Konvoi’ dafür einsetzen, dass die Krankenstation bald ein Solardach sowie Energiesparlampen bekommt. Denn Schlangenbisse müssen ja auch bei Nacht behandelt werden.
Von komplizierten Geburten im Dämmerlich ganz zu schweigen. Vielerorts wird noch beim Schein von Taschenlampen entbunden.
Die Fracht ist entladen und eingestellt. Da haben die Leute noch was auf dem Herzen: Ob man das Ereignis, auf das sie so ungeduldig gewartet haben, nicht gebührend feiern könne: Der Welttag der Frauen am 8. März soll dieses Jahr in Damsi begangen werden.
Mit großem Tamtam, Aufmärschen und Tänzen. Stellvertretend für alle 19 Dörfer der Kommune Sourgoubila. Sie laden mich herzlich dazu ein. Denn einen big spender wie diesen Konvoi-der-Hoffnung wollen sie sich auf alle Fälle warm halten.
Dr. Rolf Pflücke – 7.2.2012