27.09.2011 | Schulbau mit vereinten Kräften

Im Oktober beginnt das neue Schuljahr und in Bantogodo sind wieder weit über hundert Neuschüler angemeldet. Immer mehr Eltern und vor allem die Mütter in Burkina Faso begreifen, dass die Schule die beste Lebensgarantie für ihre Kinder ist, die Chance, dem Hunger und der Armut zu entgehen.Bild1 Schulbau 09 11Im Bild Dr. Pflücke inmitten der Grundschüler. Im Hintergrund die Grundschule und unser großer Schiffscontainer von 2008, der als Lager dient.                                   Zwei große Schulgebäude gibt es schon im Ort. Mit dem ‚Konvoi der Hoffnung‘ haben wir ja 2009 die alte Dorfschule umgebaut. Seither hat sie als Collège gedient. Doch inzwischen wird sie für den Ansturm der Erstklässler benötigt.                                                                                                                                 Wohin mit all den Anderen, die nach der sechsten Klasse weitermachen wollen? Sie in die entfernte Stadt schicken? Keine Familie hat dafür das Geld.                                                                                                                                             So beschloss der Konvoi, Mittel des BMZ für eine neue, weiterführende Schule zu beantragen. Genauer: von dessen Außenstelle für private Projekte, BENGO.
Mit unermüdlichem Fleiß trug Konvoi-Vize Manfred Rölleke die Baupläne, Kosten und Projektdetails zusammen. Stéphane Souli, unser Burkinabé, Apotheker aus Pforzheim, beschaffte die Unterlagen aus Bantogodo.Bild2 Schulbau 09 11
Projektträger vor Ort ist der Frauenverein ALFNB, der sich verpflichtete, vor Ort nach dem Motto ‚Hilfe zur Selbsthilfe’ 12.000 Arbeitsstunden zu leisten. Die verbleibenden Baukosten von rund 45.000 € teilen sich der Konvoi und BENGO im Verhältnis 25/75. Ein Gebäude mit drei Klassen soll es werden, ebenerdig und mit umlaufender Veranda. Eine erfahrene Baufirma aus Ouagadougou bekam den Zuschlag.IMG 5125Bild3 Schulbau 09 11Bild4 Schulbau 09 11
Den Bauarbeitern macht es Spaß, all den Frauen bei der Arbeit zuzusehen. Einer trägt das zum Tag passende T-Shirt: „Ich bin dabei!“
Freund Stéphane hat sich für sechs Wochen von Pforzheim verabschiedet, um die Schule in seinem Heimatdorf mit aus dem Boden zu heben.
Was musste er alles besorgen: Das Gelände, seine Erschließung, die Papiere der Gemeinde, Katasterauszüge, Satzung des Frauenvereins. Das OK des Ministeriums in Ouagadougou nicht vergessen.
Ich beantrage selber einen Termin beim Minister. Nach Wochen die Antwort: Dienstag 16 Uhr. Dann hocke ich im Vorzimmer zwischen anderen Bittstellern. 17 Uhr. Ob das noch was wird? Ein Gewitter, Stromausfälle in der ganzen Stadt; es geht kein Licht, kein Fahrstuhl, kein Ventilator. Gegen 18.30 Uhr ist der Minister bereit.
Ich will ihm eine Freude machen mit unseren Schulprojekten, den Werkstätten und Alphabetisierungskursen in der Savanne. Doch er hat ganz andere Gedanken. Sein Bruder lebe in Deutschland; ob ich dem Grüße übermitteln könne?
„Auf Wiedersehen!“ Er drückt mir seine Visitenkarte in die Hand und bringt mich zur Tür. Früher habe er einmal Deutsch gelernt, viel sei nicht übrig geblieben. „Rufen Sie an, wenn Problem..!“ Er verspricht mir immerhin, zur Einweihung der neuen Mittelschule zu kommen.
In Bantógodo gehen die Arbeiten derweil zügig voran; Ende April 2012 soll das Gebäude stehen.Bild5 Schulbau 09 11
So soll die Schule mal aussehen. Zweihundert Realschüler haben darin Platz. Das Ministerium wird die nötigen Lehrkräfte stellen.
Beim ‚Konvoi der Hoffnung‘ aber denkt man schon an die nächsten Schulprojekte.
Viele Dörfer in der Savanne warten darauf.

Dr. Rolf Pflücke, September 2011


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