21.09.2011 | Besuch im Efeu-Heim

Heute führte uns unser Ausflug in das benachbarte Komitat Somogy (Schomodei) im südlichen Ungarn. In einem dort gelegenen „Mütterheim“ wohnt seit Anfang Juni eine Zigeunerin aus unserer Nachbarschaft in Mucsi. Sara und ihre drei Kinder Josefa, Jürgen und Silvia (Namen aus Sicherheitsgründen geändert) hat dort Zuflucht gefunden, nachdem der ehemalige Lebensgefährte sogar die geringe Sozialhilfe und das bisschen Kindergeld ihr laufend unter Gewalt weggenommen hatte. Ihre Kinder hatten zum Schluss sogar in Nachbars Hühnerstall vom Hühnerfutter gegessen.201109210001
Nach neunzigminütiger Autofahrt erreichen wir das Gebäude. Alles sieht sehr ordentlich aus. Der Eingang ist mit der Kamera überwacht. Doch zunächst gibt es ein großes Erstaunen, als wir im Büro nach unserer ehemaligen Nachbarin fragen. Der Name ist nicht bekannt. Erst als wir mit den Vornamen der drei Kinder und deren ungefährem Alter unser Anliegen etwas präzisieren, bekommen wir Auskunft. Sara wurde hier unter einem anderen Familiennamen registriert.
Mitgebracht hatten wir etliche Kartons mit Kleidung für jüngere Frauen, Kinder und einen großen Sack voll Schuhe. Wir stellen alles im Eingangsbereich ab. Dann heißt es, wir müssen 1 Stunde warten oder um 12:00 Uhr wiederkommen. Wir entschließen uns für das Letztere und gehen kurz einkaufen.
Pünktlich um 12:00 Uhr sind wir wieder zurück. Die Wiedersehensfreude bei Sara ist groß. Oder ist es die Freude über die mitgebrachten Sachen? 201109210004Sie hält ihre jüngste Tochter Silvia auf dem Arm, die ist jetzt gerade mal drei Jahre alt. Ihr Bruder, Jürgen (5), ist in dem direkt angrenzenden Kindergarten untergebracht. Da gerade Mittagessenszeit ist, das Mittagessen wird dort gemeinsam von allen Kindergartenkindern eingenommen, können wir ihn leider nicht besuchen. Und die große Tochter Josefa ist doch noch in die Schule gekommen. Vor vier Monaten hieß es noch, dass das Mädchen nicht schulreif wäre und noch ein Jahr warten müsste. Dabei hatte es sich so auf die Schule gefreut. Es konnte nie genug Papier, Buntstifte etc. bekommen zum Malen oder Zeichnen.
Sara erzählt, dass es ihr gut gehen würde, auch wenn die geringen finanziellen Mittel nicht für alles reichen würden. Sie wohnt mit ihren Kindern in einem kleinen Appartment und ist für Putzen, Kochen und alle anderen Sachen selbst zuständig. Aus Sicherheitsgründen dürfen wir den Innenbereich, auch mit Rücksicht auf die anderen jungen Frauen, weder betreten noch Bilder machen.

Bernhard Schilling, Osteuropa-Koordinator.


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