04.06.2011 | Neues von Clarissa

Sie ist inzwischen zwanzig und recht selbstbewusst. „Das Leben hat mich taff gemacht!“, sagt sie. Aber ohne den Zufall, der sie 2010 zum KONVOI führte, würde Clarisse (wie sie dort gerufen wird) wohl noch immer Telefonkarten an der Straßenkreuzung verkaufen; oder mit einem Korb voller Mangos an der Ecke stehen. Stattdessen hat die Hebammen-Schülerin für den Rest ihrer Ausbildung ein Glückslos gezogen. Katrin Rohde, die umtriebige Hamburgerin vom Waisenhaus AMPO, bat uns um Hilfe für das Mädchen aus dem Landesinnern. Clarisse wolle so gern einen ordentlichen Beruf erlernen.
Eine gute Freundin aus Berlin nahm sich ihrer an und sorgt für die Ausbildungskosten, das Outfit, ja selbst für ein gebrauchtes Moped und ein Praktikum.                                   Clarissa Bild1
Das absolviert Clarisse in einer der landesüblichen Krankenstationen.
In der Maternité, der Entbindungsabteilung, ist sie inzwischen so eineingeübt, dass ihr die Chef-Hebamme bei normalen Geburten meist nur noch über die Schulter sieht. Jeden Tag sind es sieben oder acht.Clarissa Bild2
Vierzig Babys hat Lehrling Clarisse schon auf die Welt geholfen und zweimal Zwillinge.
Früh um sechs fährt sie zur Schule auf der anderen Seite der Stadt. Und nachmittags zur Klinik, um zu üben. In einem Land wie Burkina Faso, wo jede Frau im Schnitt sechs Kinder gebärt und daneben noch zwei, drei Fehlgeburten hat, ist die Hebamme oft lebensrettend.Clarissa Bild3
Als wir sie in der Krankenstation besuchen steht gerade eine Wöchnerin an ihrer Tür: die Wehen haben begonnen. Ein normaler Fall, so scheint es.
Im Juli endet Clarisses Ausbildung. Danach wird sie sich umsehen müssen: Trotz ihrer guten Noten und des weiter andauernden Geburten-Booms ist ihr ein fester Arbeitsplatz noch nicht sicher.
Doch sie weiß, man wird ihr auch dabei helfen.

Dr. Rolf Pflücke, Mai 2011


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