21.03.2011 | Schüler spenden Esel für arme Witwe

Der Weg zu ihrer Lehmhütte führt durch dichtes Gestrüpp. Durch die Savanne, an Affenbrotbäumen vorbei und trockenem Buschwerk, dann haben wir’s geschafft.Bild1 2011
Pauline (oder Lalé, wie sie hier genannt wird) hat vor drei Jahren ihren Mann verloren. Er war an einer tückischen Malaria Tropica erkrankt. Als er in die entlegene Krankenstation kam, konnte ihm keiner mehr helfen. Sein Grab liegt im Schatten eines mächtigen Karitébaums.
Lehrer Leonard unterrichtet in der nahen Dorfschule die vierte Klasse. Als ich ihm von den Schülern im bayrischen Bruck erzähle, die Geld für ein Eselgespann gesammelt haben, führte er mich zur Hütte der armen Frau, einer Bäuerin.
Brütende Hitze liegt über dem Land, die Trockenzeit geht ihrem Höhepunkt entgegen.Bild2 2011
Aus einem Brunnenloch schöpfen Kinder auf abenteuerliche Weise Wasser: Wenn eines von ihnen ausrutscht und ins 35 m tiefe Loch fällt ist es verloren!
Das Wasser ist für eine nahe Lehmziegelei bestimmt. Während der heißen Monate, wenn auf den Feldern keine Arbeit ist, bessern die Dorfbewohner ihre Hütten aus oder bauen an, für die erwachsenen Kinder. Und das tun sie in Gemeinschaftsarbeit, jeder hilft jedem.Bild3 2011
Doch in diesem Falle leisten die Kinder Frondienst; sie schaffen die Wasserkanister heran, graben den Lehm aus, formen Ziegel und legen sie in die Sonne zum Trocknen.
Kinderarbeit ist in Afrika alltäglich; vor allem die Mädchen müssen von klein auf mit ihren Müttern schuften. Teil einer biblischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, die sich nur mühsam überwinden lässt.
Die Witwe kann ihr Glück nicht fassen: Da gibt es Kinder in einem anderen Land, die ihr ein Eselgespann schenken wollen?! Hier in der Savanne sind alle so arm, dass es nichts zu schenken gibt. Für einen Esel allein müssen die Leute drei Jahre sparen und für den Karren noch einmal fünf. Aber wer so ein Gespann hat, ist im Dorf angesehen, er kann für andere Lasten transportieren – und sich selbst ein schönes Zubrot verdienen.
Das Hirsefeld der Witwe liegt weitab von Ihrer Hütte; zur Aussaat in der Regenzeit muss sie fünf Kilometer radeln – mit dem Vierjährigen auf dem Gepäckträger, eine Stunde hin und eine zurück. Bild4 2011Als wir ihr dann auch noch einen Sack Reis aus dem Kofferraum holen, ist Lalés Glück vollkommen: Lehrer Leonard hatte mir erzählt, dass die Vorräte in ihrem Hirsespeicher zu Ende gehen, die vier Kinder kriegen nur einmal am Tag zu essen.Bild5 2011
Fünf Tage später: Der Esel ist gefunden, ein tüchtiges und gesundes Langohr.
Lalé ist 45 und doch wie eine alte, ausgemergelte Frau. Die Zähne fallen ihr aus, sie sieht nicht mehr gut und auf einem Bein hinkt sie. Das Leben hier draußen ist eine einzige Mühsal. Ohne Mann vier Kinder großziehen und sie alle in die Schule schicken – das kostet Kraft!
Am Nachmittag wird auch der Eisenkarren angeliefert, solide und mit Gummirädern. Im Nu ist der Esel gezäumt, es geht los.Bild6 2011
Zum ersten mal in ihrem Leben fährt Lalé ein eigenes Gespann.
So haben Schüler aus dem fernen Bruck eine arme Familie in Afrika glücklich gemacht. Und mir, dem dem Mann vom KONVOI-der-HOFFNUNG, eine schöne Geschichte beschert.

Bild7 2011Rolf Pflücke © 2011


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