03.03.2011 | Behindertentherapie in Sri Lanka

Gertrud Scheuber, pensionierte Krankengymnastin aus Billigheim, arbeitete auf eigene Kosten 3 Wochen in Sri Lanka. Hier ist ihr ausführlicher Bildbericht: „Im Januar habe ich auf Vermittlung von Herrn Dentler 3 Wochen in einem Haus für
schwerbehinderte Kinder auf Sri Lanka nahe der Stadt Kalutara bei Colombo gearbeitet. Ein Teil der Kinder waren körperbehindert, der andere Teil waren junge, mehr oder weniger geistig behinderte Frauen.Scheuber Bild1
Eine Hälfte des Heimes und täglich, nie endende Wäsche zum trocknen.Scheuber Bild2
Essensvorbereitung in einer dunklen Küche
Es herrschte eine liebevolle Atmosphäre untereinander, die mobilen Geistigbehinderten fütterten die Körperbehinderten, kümmerten sich um die Wäsche und andere Kleinigkeiten, kurzum satt und sauber war gewährleistet.
Da ich Krankengymnastin bin (61 Jahre), hatte ich mir vorgenommen, mit den Kindern therapeutisch zu arbeiten, was ich auch in die Tat umgesetzt habe, allerdings immer unter dem Aspekt, dass es den Kindern Spaß macht. Der große Renner war ein großer Gymnastikball, auf dem jeder sitzen und hüpfen wollte und auf dem man noch viele andere interessante Dinge machen konnte, wobei die Kinder gar nicht merkten, dass ich damit ein therapeutisches Ziel verfolgte.Scheuber Bild3Scheuber Bild4
So sieht der Nachmittag der Kinder aus, nur sitzen und schauen.Scheuber Bild5
Ein Schlafraum, zum Zudecken werden Stofffetzen verwendet.
Leider fehlt allen Kindern die Förderung, sei es die Anleitung etwas in die Hand zu nehmen und damit etwas anzufangen, sei es das Füttern im Rollstuhl, Toilettentraining, katastrophal war das Trinkverhalten : es wird den Kindern mit überstrecktem Kopf in den Mund geschüttet, und, was am aller traurigsten ist, den Kindern fehlt die emotionale Zuwendung.Scheuber Bild6
Ein geistig behindertes Kind, füttert ein körperbehindertes Kind.Scheuber Bild7
Beim Therapieren bin ich immer von einer Kinderschar umlagert und alle lieben es fotografiert zu werden.Scheuber Bild8
Sie haben sich in den 3 Wochen meines Aufenthaltes so an mich geklammert, haben mit den Augen regelrecht um Aufmerksamkeit gebettelt, dass es mir oft schwer gefallen ist wo anzufangen und wo aufzuhören. Natürlich sind auch Eifersüchteleien nicht ausgeblieben, dass der eine oder andere bei Nichtbeachtung angefangen hat zu schreien oder zu schlagen.Scheuber Bild9
Viele Kinder haben schlimme Zahnstellungen, die durch Hochrutschen der Oberlippe noch schlimmer aussehen.Scheuber Bild10Scheuber Bild11Scheuber Bild25
Geht doch!! Nach der Behandlung.
Wenn ich mir den Sonntag freigenommen habe, hat es am Montag einen halben Tag gedauert, bis sich die Kinder mir wieder zugewendet haben. Oder als ich sie einige Tage vorher darauf vorbereitet habe, dass ich wieder weggehe, haben manche bitterlich geweint.
Es besteht bei vielen Kindern ein großes Entwicklungspotential, leider war außer satt und einigermaßen sauber nicht mehr zu erreichen. Das liegt sowohl an der personellen Unterbesetzung als auch am Desinteresse der dort Beschäftigten. Lieber wurde an einem Heiligenbild gestickt als sich mit den Kindern zu befassen.
Ich konnte über Herr Dentler, der zu diesem Zeitpunkt einen Container voll medizinischer Hilfsmittel nach Sri Lanka brachte und im ganzen Land verteilte, 4 Rollstühle und einen Toilettenstuhl bekommen, wobei 2 davon sicher im Gebrauch sein werden. Den einen hat ein 16 Jahre altes Mädchen bekommen, die auch ein bisschen englisch sprach und überglücklich über dieses Geschenk war, da sie bis dahin immer nur auf einer Steinbank sitzen konnte. Den anderen hat ein junges schwerbehindertes Mädchen bekommen, das vorher immobil auf einem Plastikstuhl sitzen musste.Scheuber Bild12
Rollstuhllager in Colombo, organisiert von Herrn Dentler.Scheuber Bild13
Abholung von 5 Rollstühlen für „meine Behinderten“ Scheuber Bild14Dieses Kind kannte die Welt bisher nur aus dieser Perspektive.Scheuber Bild15
In der Behandlung war es ihr möglich, Arme und Beine zu strecken.Scheuber Bild16
So sieht sie die Welt nun anders, ob es ihr auch weiter ermöglicht wird?Scheuber Bild17Scheuber Bild18Scheuber Bild19
Darusha mit dem blauen T-shirt konnte sich bisher nur hüpfend fortbewegen und saß die meiste Zeit auf der Steinbank. Scheuber Bild20Scheuber Bild21
Nun ist sie glücklich sich etwas unabhängiger fortbewegen zu können.                                                                                                                              Dieses Kind kann keine Tasse halten oder spielen, aber es konnte den Rollstuhl mit großer Freude bewegen. Scheuber Bild22                                          Gibt man ihr weiterhin die Gelegenheit?
Was ich anregen konnte, war der Bau eines kleinen Weges zum besseren Rollstuhltransport vom Haus zur Spiel- und Aufenthaltsecke der Kinder, die aber leider nur an den Vormittagen genützt wird. Nach dem Essen sitzen die Kinder entweder im Bett oder auf Plastikstühlen neben ihren Betten.
Ich kann nur hoffen, dass die anderen Rollstühle wenigstens zur Überwindung des Weges in die Spielecke benützt werden. Scheuber Bild23                                     Auch er lag den ganzen Tag in starker Streckspastik in seinem BettScheuber Bild24
Dieser Verbindungsweg wurde auf meine Anregung hin gebaut.
Fazit meiner Reise: Leider war ein nachhaltiges Arbeiten in diesem Haus nicht möglich und die Kinder sind nach meinem Weggang wieder sich selbst überlassen. Das ist sehr schade, denn jedes einzelne Kind hätte es verdient, ein bisschen Zuwendung zu bekommen und durch weiteres therapeutisches Arbeiten zu einer besseren motorischen Entwicklung zu gelangen.
Gerne würde ich wieder in einem Land arbeiten, in dem meine Erfahrung erwünscht ist, aber auch das Interesse besteht sie zu übernehmen und weiterzuführen.“

Der Konvoi der Hoffnung dankt Frau Scheuber ganz herzlich für ihre Initiative und den aufschlussreichen Bericht.


Aktuell

Nachrichten-Abo

Bleiben Sie auf dem Laufenden – per
E-Mail-Abo, Twitter oder RSS-Feed: