20.01.2011 | Saaba – Prospers Geschichte
‚Ein Dorf ohne Schule, ein Skandal!’ Immer wenn er von Saaba sprach, wurde er wütend. Wie konnte die Regierung nur zulassen, dass hunderte Orte in Burkina Faso ohne Schule waren! Doch der Staat hat einfach kein Geld – und die Dörfer in der Savanne kommen zuallerletzt.
So beschloss der Lehrer Prosper Nikiema 2008 selber eine Schule in Saaba zu bauen. Ein Freund, der an der benachbarten Elfenbeinküste im Kakaohandel zu Geld gekommen war, versprach ihm zu helfen. Ein Bankkredit war schnell beschafft – umgerechnet 2000 Euro, zu 10% Jahreszinsen. Doch sein Freund würde ihm bald helfen. Die ersten drei Klassenräume waren schnell gebaut; luftgetrocknete Ziegel, Lamellenfenster und –türen, ein Blechdach, außen wie innen ohne Putz, blanker Erdboden.

Im Oktober 2008 wurden die ersten Kinder eingeschult, welche Freude für das Dorf!
Aber der Freund von der Elfenbeinküste ließ nichts mehr von sich hören. Prosper musste den Kredit alleine abstottern – rund 60 € im Monat – fast die Hälfte seines Nettoverdienstes. Als ich ihn kennen lernte, war er verzweifelt.
Doch dank der Hilfe des KONVOIs bekam die Schule bald Solarlicht; so konnten die Kinder auch abends lernen.
35 Frauen baten um einen Alphabetisierungskurs; und sie bekamen außerdem kleine Energiesparherde – es ging voran.
Im Winter 2009 besuchten meine Freunde, die Herolds aus Heidelberg, den Ort und schlossen Freundschaft mit dem tapferen Gründer Prosper Nikiema.
Der hatte Mühe, seine drei Lehrkräfte zu bezahlen. 55 Kinder gingen in die ersten drei Klassen, und es wurden immer mehr. Von den Familien – fast alle bettelarme Zuwanderer aus der Savanne – war wenig zu erwarten.
So griffen wir Prosper unter die Arme. Dank großherziger Spenden bekamen die Kinder täglich eine Schulspeise; zwei kleine Lehrerhäuser wurden gebaut und ein viertes Klassenzimmer. Der Nachbar Edouard bekam ein Eselgespann und versprach, als Gegenleistung stets Wasser für die Kinder zu holen.
Blieb nur dieser lästige Kredit, der Prosper das Leben erschwerte.
Doch auch da plötzlich ein Lichtblick: Ein deutscher Freund hört von der Geschichte des Schulbauers und bietet an, ihn von seiner Last zu befreien. Das Darlehen ist inzwischen bis auf 1.400 Euro abgestottert.
Als ich Prosper zu Weihnachten 2010 die Nachricht überbringe umarmt er mich, den Tränen nahe. Wir machen einen Termin bei seiner Dorfsparkasse ‚Caisse Populaire’ von Dassouri und sitzen eines morgens der netten Mademoiselle Benedicte gegenüber, die ein paar Worte Deutsch spricht.
„So einen ‚Père Noél’, Weihnachtsmann, hätte ich auch gern“, sagt sie, als ich den Scheck ausstelle und das Darlehen liquidiere. Klar, wer nicht!
Als alles erledigt ist, hebt Prosper plötzlich die Arme zum Himmel: „Gott sei’s gedankt, das ist der Tag meiner Befreiung!“
Wir fahren nach Saaba, nehmen einen Sack Reis für die Schulspeise mit und vereinbaren, dass er mit dem Rest der tollen Spende (über 600 €) das fünfte Klassenzimmer in Angriff nehmen solle. Denn zum nächsten Schuljahr werden weitere 30 Kinder erwartet. Und bald wird man auch Räume für ein ‚Collège’, eine Oberschule brauchen, denn die Besten wollen ja nach der Grundschule weitermachen.
Die Einwohner von Saaba und vor allem die Eltern der Schulkinder sind sich der Chancen bewusst, die ihnen die Freunde aus Deutschland da bieten. Deshalb machen sie alle kräftig mit.
Dr. Rolf Pflücke – Januar 2011