27.12.2010 | Gonsé – eine Werkstatt für alle
Wie man aus einer Bauruine eine Schule macht? Die Freunde vom KONVOI haben
eine Antwort: Kosten- und Nutzungsplan, Mitarbeit der Bewohner – und es läuft!
In Gonsé, einem unserer Dörfer in der Savanne von Burkina Faso (Afrika) hatten wir 2009 schon Ökoherde an die Frauen verteilt, eine Alphabetisierungs-Kampagne begonnen und die Schule mit Solarlicht versehen.
Der Bürgerrat dort ist sehr aktiv – und die Frauen sind es noch mehr. Also baten sie uns eines Tages, ihnen beim Ausbau der Ruine zu einer Werkstatt und Schule für die Erwachsenen zu helfen.
Der umtriebige Lehrer Leonard erstellte den Kostenvoranschlag. Unter Mitarbeit der Leute ließe sich das Gebäude für umgerechnet 3.500 € fertig stellen. Das war selbst für afrikanische Verhältnisse ein Superangebot. Nach Ende der Regenzeit und Hirseernte wollten sie ans Werk gehen. Und so geschah es. 
Als ich ein paar Wochen später wieder ins Dorf komme ist schon ein Mauerkranz aufgesetzt und die Dachsparren liegen bereit. Da wir nur Schritt für Schritt bezahlen, das Blechdach nach Verlegung der Balken, die Fenster nach Vorgabe der Maße, ist alles unter Kontrolle. Die Frauen spornen ihre Männer aus eigenem Interesse an. Sie wollen in dem ‚Atelier’, wie sie es nennen, sobald wie möglich ihre Kurse beginnen. Alphabetisierung 2, Karité-Butter und –seife, später auch Textilweben. Für die Seifenherstellung haben sie schon ordentlich ordentlich gehamstert. Sie zeigen mir ihre Vorräte:
gut 140 Kilo Karité-Nüsse, im Laufe der Wochen in der Savanne gesammelt. Und da der Marktpreis Tag für Tag steigt – zuletzt von 0,60 auf 0,80 € / Kilo – ist das eine Gewinn bringende Anlage, zumal die ‚Wertschöpfung’ noch aussteht. Auf dem Markt verkaufen sich die Seifen sehr gut.
Im November legen die Männer noch einmal Hand an; die Eisenfenster und –türen sind gekommen und werden eingesetzt. Dann kriegt das ‚Atelier’ einen richtigen Verputz.
Und ein paar Tage später rückt Monsieur Adam an, unser ‚Solarmann’, setzt Sonnenpaneele auf das Dach und versieht die beiden Räume mit Sparlampen, Trockenbatterien und Schaltern.

Türen, Fenster, Putz…. und es ward Licht
Kurz vor Weihnachten ist die Werkstatt fertig, ein tolles Stück Gemeinschaftsarbeit. Ich versprach, zur Einweihung mit einem großen Sack Reis zu kommen und mit Werkzeug für die Seifenfertigung. Womit ich nicht rechne, dass die guten Leute von Gonsé nun auf beste afrikanische Weise dankbar sein wollen.
Das heißt, mit Tam-Tam, Tänzen und Hirsebier. Sókoma nicht vergessen, den flüssigen Hirsebrei, der in Kalebassen von Mund zu Mund geht (und mich ein paar Tage Bettlager kosten wird).

Am Ende dann die überraschende ‚Ehrung’: Im Namen ihres Stammeskönigs – und an Stelle von Otto Fischer – ernennen sie mich zum Ehrenbürger von Gonsé. 
Ab jetzt heiße ich ‚Kaboré’ (‚Krieger’) und gehöre damit zu denn ‚Noblen’ der Savanne.

Bleibt nur zu hoffen, (und das sage ich der Versammlung mit todernster Miene) dass sie mich beim nächsten Fest nicht mit einer ihrer Töchter verheiraten wollen.
Dr. Rolf Pflücke – Dezember 2010
