25.09.2010 | Konzertierte Aktion für Krankenhaus

Das einzig noch verbliebene Kreiskrankenhaus im verarmten Komitat Tolna (Ungarn) braucht seit Jahren eine Generalsanierung! Die Geldmittel der Kreiskasse leiden allerdings – nicht nur wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise – an notorischer Auszehrung.

Da geschieht das kleine Wunder: Der große Bayerische Baustoffproduzent Baumit Bayosan in Hindelang stellt uns wieder 100 Tonnen Baustoffe in seinem Lager in Biblis kostenlos zur Verfügung. Doch die Frachtkosten in Höhe von 3.800 Euro müssen wir, zusammen mit der Baden-Württemberg-Stiftung, stemmen.

Zufälligerweise trifft unser Osteuropa-Koordinator bei einer Veranstaltung des Waisen- und Kinderheimes in Högyesz (das von uns regelmäßig unterstützt wird) am 7. September Herrn Evertse vom Rotarier-Verein Ungarn, der gut Deutsch spricht. Sie tauschen sich interessiert über die Aktivitäten beider Vereine aus. Dabei erfährt Bernhard Schilling von der Not im Kreiskrankenhaus, denn Herr Evertse kommt aus Szekszárd. Bei einem Treffen mit den Rotariern wurde dann von ihnen beschlossen, die Sanierung des Kreiskrankenhauses in die Hand zu nehmen. Allerdings hat der Rotarier-Verein selbst nur ein Jahresbudget von unter 10.000 Euro und ist dringend auf Hilfe angewiesen. Denn allein die Baumaßnahmen in der Mutter-Kind-Station werden rund 150.000 Euro verschlingen.

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Als Dank für die anstehende Zusammenarbeit bekommt Bernhard Schilling (rechts im Bild) vom Rotarier-Vorstand einen Wimpel überreicht.

Der erste von vier Lastzügen kam bereits Ende letzter Woche in Szekszárd an:

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Der Eingangsbereich des Kreiskrankenhauses Szekszárd macht einen guten, gepflegten Eindruck, doch es war schwer vom Juni-Hochwasser betroffen, wie die Bilder weiter unten zeigen:

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Besonders die Räume im Keller und Erdgeschoß müssen dringend saniert werden:DSCF8090 Szeksz  rdDSCF8092 Szeksz  rd

Doch nicht nur die Außenfassaden brauchen Sanierung. Drinnen muss noch viel mehr investiert werden, wie der nachfolgende Bericht unseres stellvertretenden Vorstandes und Osteuropa-Koordinators Bernhard Schilling zeigt:

Das Kreiskrankenhaus Szekszard ist eine Klinik der Universalversorgung mit 1.007 Betten. Es befindet sich im südlichen Ungarn etwa 70 km vor der Grenze zu Serbien, Träger ist die Komitatsverwaltung Tolna. Dies ist leider auch das große Problem dieses Krankenhauses.

Im Zuge der großen finanziellen Einsparungen der ungarischen Regierung zur Vermeidung des Staatsbankrotts sollte diese Klinik vor zwei Jahren ganz geschlossen werden, weil es keine Klinik des Staates ist. Dies hätte jedoch für die Patienten bedeutet, dass die jetzt schon weiten Anfahrtswege (2 Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfacher Weg!) sich nochmals verlängert hätten in die nächstgelegenen staatlichen Krankenhäuser in Pécs oder Dombovar. Die Komitatsverwaltung (vergleichbar einer Landkreisverwaltung in Deutschland) entschloss sich deshalb, das Krankenhaus auch mit verringerten Zuschüssen aus Budapest weiterzubetreiben.

Das Krankenhaus ist hygienisch und medizinisch in einem einwandfreien Zustand, es gibt dort sehr gute Ärzte, die mit viel Idealismus ihre Arbeit machen. Leider befinden sich der  Bauzustand der einzelnen Gebäude, die Innenausstattung der Räume, die Unterbringung der Patienten und vieles andere in einem erbärmlichen Zustand.

Die Geburtshilfestation hilft jährlich knapp 1.000 neuen Erdenbürgern das Licht der Welt zu erblicken. In den beiden Warteräumen, bevor die werdende Mutter in den Kreißsaal kommt, stehen jeweils 6 Betten mit Vorhängen voneinander getrennt. Es ist so eng, dass weder der Vater noch sonst ein Angehöriger bei der Mutter sein kann. Ist eine ärztliche Beobachtung erforderlich, gibt es einen weiteren Raum mit drei Betten, welche so eng beinander stehen, das ebenfalls sich kein Angehöriger darin aufhalten kann.

Es gibt für alle Frauen auf der Geburtshilfestation nur eine einzige Badewanne, die seit 20 Jahren in Betrieb ist. Und dies, wo zahlreiche Familien zuhause auch nicht über ein Bad und etliche noch nicht mal über fließendes Wasser im Hause verfügen!

Auch der Kreißsaal ist ein „Mehrbettzimmer“. Wird jedoch die Diagnose Kaiserschnitt gestellt wird es dramatisch. Jetzt muß die werdende Mutter ein Stockwerk nach oben transportiert werden, wenn der Fahrstuhl ausfällt -das passiert leider häufig-, müssen eben kräftige Pfleger zum tragen gesucht werden.
Denn auf der gleichen Etage gibt es keinen OP.

Nach der Geburt werden vor allem aus Platzgründen die Babys sofort von der Mutter getrennt. Rooming-in gibt es überhaupt nicht, lediglich zum Stillen sehen sich Mutter und Baby kurzfristig.

Beabsichtigt ist im Rahmen der Sanierung und Modernisierung der Station die Einrichtung mehrerer getrennter Badezimmer, für die direkte Geburtsvorbereitung Einzelräume mit Schallisolierung in einer Größe, dass auch ein Angehöriger anwesend sein kann, im Kreißsaal die Möglichkeit für schallisolierte getrennte Unterbringung der Frauen, ebenfalls mit der Möglichkeit eine(n) Angehörige(n) mitzubringen. Ein neuer OP auf der gleichen Etage soll hergerichtet und modern ausgestattet werden. Auch soll das Ambiente freundlicher gestaltet werden, damit es nicht mehr aussieht „wie in einer Kaserne“.

Dabei sind wir auch auf die Unterstützung durch Geldspenden angewiesen. Denn erst Ihre Geldspenden ermöglichen uns, die gespendeten Sachen aus dem Baustoffhandel oder die gespendeten medizinischen Ausstattungsgegenstände von Deutschland nach Ungarn zu transportieren. Die Landesstiftung Baden-Württemberg beteiligt sich an den Transportkosten, was der Verein sehr zu schätzen weiß, aber die Hälfte der Transportkosten muss aus unseren Spenden aufgebracht werden.

Deshalb: Helfen Sie mit!


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