23.06.2010 | Saaba – Regenzeit!
In der Nacht hatte ein schweres Unwetter die Strasse nach Saaba (Burkina Faso) in eine üble Schlammpiste verwandelt.
Freund Prosper erzählt mir auf dem Weg durch die Pfützen von der Elternversammlung in seiner 3-Klassen-Zwergschule; immerhin war die Hälfte der 36 Väter und Mütter erschienen.
Die meisten nehmen das Lernen ihrer Kinder sehr ernst, auch wenn – oder gerade weil – sie ja nicht einmal Geld für Schreibhefte, Tafeln und Kreide zuzusammenbringen; geschweige denn für die übliche Schuluniform.
Prosper, der die Schule vor drei Jahren gründete, hat ihnen das Versprechen abgeknöpft, statt der 15.000 Francs Schulgeld (22 €) in diesem Jahr wenigstens einen bescheidenen Teil der Kosten für die beiden Lehrerhäuser mit zu tragen: 2000 Fr. pro Familie, drei Euro. Die Leute sind so bitter arm, dass sie am liebsten alle Ausgaben uns ‚Nazaras’, Weißen, überlassen würden. Doch wir machen ihnen fortwährend klar, dass das nicht geht.
Die beiden Lehrer, Marguerite und Pousa, haben seit zwei Monaten keinen Lohn mehr gekriegt, weshalb ich zuerst mit ihnen abrechne. Sie kümmern sich auch um das Trinkwasser für die Kinder.
Der Maurer kriegt seine letzte Rate, um den Innenausbau der der Lehrerhäuschen fertig zu machen. So geht es in Saaba langsam aber sicher voran.
Die Lehrer vor ihren “Häusern“
Monsieur Edouard, dem wir im März ein Eselgespann geschenkt hatten, vermietet es gelegentlich an einen ‚Subunternehmer’, der das Tier hegt und füttert und jeden Monat die Hälfte der Einnahmen (etwa 12 €) der Schule geben will. Das ist nicht viel – doch es geht um das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.
Monsieur Amadou, der zuletzt mit einem Oberschenkel-Bruch zu Hause lag, hat dank unserer Spenden eine Not-OP bekommen. Die Knochen waren aneinander vorbeigewachsen, ein von uns eilig veranlasstes Röntgenbild offenbarte die schreckliche
Wahrheit: Die Fraktur musste (nach fünf Wochen) neu eingerichtet werden; man brachte ihn ins (Taiwan-)Chinesische Hospital, eine halbe Tagesreise nördlich der Hauptstadt, das für seine niedrigen Kosten bekannt ist.
Sobald er wieder auf festen Beinen steht bekommt auch Amadou ein Eselgespann. Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich und ein Geschenk verdient. Mit seiner Frau Adja engagiert er sich im Elternbeirat und ihre drei Kinder gehen gern zum Unterricht.
Prosper mit dem Röntgenbild
Unsere Ökoherd-Kampagne sorgt noch immer für Gesprächsstoff. Viele Frauen, die sie im Februar verpassten, fragen nach einer neuen Gelegenheit: ein Drittel zahlen, zwei Drittel geschenkt bekommen, das hat Furore gemacht. Wir vertrösten sie auf „später im Jahr“.
Sobald mit der Regenzeit die Saat ausgebracht ist und die Leute nicht mehr täglich aufs Feld müssen, wollen wir auch mit der Frauen-Alphabetisierung beginnen. Am 15.Juni beginnen die großen Ferien und sie dauern bis zum Anfang der Trockenzeit im Oktober, wenn die Feldarbeit getan ist.

Die Kinder verabschieden uns auf ihre Weise mit einem fröhlichen Ringeltanz und Prosper wirft die Kamera an. Er dreht einen Film für die Freunde in Deutschland.
PS: Auf dem Heimweg zieht er überraschend Pläne und Kosten für sein neues Haus aus der Tasche. Bei dem Unwetter 2009 hatten sie ihr Domizil verloren; ein Meter hoch stand das Wasser in der Hütte. Er zog mit seiner Frau und den drei Kindern zu Verwandten. Nun hat ihm die Regierung eine Parzelle zugeteilt, der Bau kann beginnen. Doch womit wird er die horrende Summe bezahlen?
(Dr. Rolf Pflücke – Juni 2010)

