21.03.2010 | Ein Esel namens ‚Rainer‘

Er hat lange Ohren, ein gutes Gebiss und – so einen sanften Blick. Kein fauler Esel, sondern ein richtiges Arbeitstier, das gewohnt ist, schwere Karren zu ziehen und seinen Herrn zum Markt zu tragen.
Wir sind an diesem glutheißen Morgen zum Eselsmarkt von Saaba unterwegs, um dem armen Edouard und seiner kinderreichen Familie ein Lasttier zu kaufen. Dass es ‚Rainer’ heißen würde stand fest. Unterwegs steigt der zahnlose alte Adama zu, der als Esel-Kenner gilt und uns beraten soll.Saaba Bild2 03 10

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Münchner Freunde hatten auf ihrer Weihnachts-Tombola einen ordentlichen Batzen Geld gesammelt. Sie spendeten es für arme Leute in Burkina Faso, einem der rückständigsten Länder der Erde. Einzige Bedingung: für Esel sollte es sein.
Wir vom KONVOI sind ja einiges gewöhnt, doch diese Eselei’ strapazierte unsere
Intelligenz. Was tun? Klar: Jeder möchte hier so ein Tier haben, kleine Lastfahrten
bringen bares Geld; man ist plötzlich ‚wer’ und nicht nur ein armer Schlucker.
Es ist, als würde einem daheim ein Lkw geschenkt. Doch: auch ein Esel braucht „Wartung“, einen Unterstand, Wasser und Futter.
Nach langem Suchen fiel die Wahl auf den Wächter Edouard. Er würde das Tier nützen und pflegen und gewiss nicht töten und verspeisen. Saaba Bild4 03 10                   Nachtwächter Edouard und sein Rainer
Der Markt ist an diesem Morgen nicht sonderlich belebt. Doch dass ein ‚Nazara’, eine Weißnase, auftaucht und einen Esel kauft kommt nicht alle Tage vor. Und so schart sich ein kleines Völkchen um uns.
Der alte Adama prüft jedes Tier mit Kennerblick, schaut ins Maul, zählt die Zähne und schlägt mit einem Stock auf den Hintern, mal sehen, wie duldsam es ist. „Der da!“ Ausgerechnet ein weißer Esel, ein ‚Albino’, hat es dem Alten angetan. Da hier alle Moré sprechen, keiner französisch, habe ich den Lehrer Bussuga dabei:
„85 000 Francs will der Kerl!“ Rund 130 €. Wir einigen uns schließlich auf 75.000.
Nun muss der Esel noch ‚getauft’ werden; dank einer Schiefertafel und Kreide, die der Lehrer dabei hat, bekommt er seinen neuen Namen.
Die Umstehenden mögen uns für irre halten. Einer fragt mich in schlechtem Französisch, was ‚Rainer’ bedeute: Ich sage: „Esel“, das überzeugt ihn.Saaba Bild5 03 10
Nun fehlt noch ein passender Karren. Der Lehrer führt uns zum Schmied, der solide zweirädrige für rund 200 € verkauft, mit aufblasbaren Reifen. Edouard strahlt übers ganze Gesicht, als er mit seinem Einspänner schließlich nach Hause fährt.
Doch eines musste er versprechen: Als Gegenleistung wird er seinen ‚Rainer’ einen Tag in der Woche für die Dorfgemeinschaft einspannen: Wasser für die Schulkinder holen, Sand und Ziegel für den Bau des neuen Magazins und – er muss den öffentlichen Müll abfahren.
In vier weiteren Dörfern sind schon Kandidaten ausgemacht, die dank der Großherzigkeit der Münchner Freunde bald Esel + Karren haben werden. Zwei in Bantógdo, einer in Gonsé und drei im Großdorf Kollo. Die restlichen zwölf finden sich später, wenn die Feldarbeit beginnt. Hier sind (vierbeinige) Esel ‚Boten des Fortschritts’.

SAABA, GONSÉ, BANTÓGDO – wie es weitergeht
Die Frauen von Saaba hatten nach den Koch-Lektionen im Februar 53 Öko-Herde
bestellt. Im Dorf Gonsé mit seinen 2800 Einwohnern war das Interesse noch größer:
dort gingen sogar 270 Order ein. Energie sparen ist plötzlich der Schlager in der Savanne. Weil man nicht jeden Tag Holz suchen muss und weil das Kochen auf eisernen Brennstellen schneller geht.

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Die Herdschmiede von Ouagadougou haben also viel zu tun. Mehr als 330 Stück sind zu fertigen – ‚Roumdés’ – ‚Lieblingsfrauen’, so werden sie im Volksmund gepriesen. Das Gewerbe blüht.
Die Herde werden in den nächsten Tagen in die Dörfer geliefert – die Stunde der Wahrheit. Denn jede Frau muss ein Drittel des Preises zahlen, der KONVOI trägt die übrigen zwei Drittel.

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Von der GTZ gefördert: ‚Roumdés’
Zwei Euro pro Familie für einen mittleren Herd scheint nicht viel und doch überfordert es viele.

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Die dürftige Schule von Saaba kriegt jetzt ein Magazin. Maurer Yameogo will den Bau bis Ende März schlüsselfertig haben. Dann können Schulmöbel und Lehrmaterial sicher gelagert werden.
Die tägliche Versorgung mit frischem Wasser läuft jetzt reibungslos. Und wenn erst der Wächter Edouard seinen Esel ‚eingelernt’ hat (s.o.) wird er für den Nachschub sorgen.
Die Frauen hatten auf eigene Faust mit einer nahen Firma verhandelt, die Wasser in Plastiktüten abfüllt. Sie sammeln nun leeren Tüten entlang der Strassen, reinigen sie, waschen sie aus und bringen sie in Säcken zurück. Für je 10 Kilo bekommen sie vier Euro, ein gutes Taschengeld, vor allem jetzt während der Trockenzeit. Wir unterstützen sie.

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Alle lechzen nach Wasser
Neben der Schule wohnt die Leiterin des Frauenvereins Mme. Adjara mit ihrer Familie.Ihr Mann hat vor einer Woche den Oberschenkel gebrochen. Er liegt still und im Schatten vor der Hütte und zeigt auf sein Bein:Saaba Bild11 03 10
E s i s t m it Holzpflöcken geschient und d i c k an geschwollen. Ob man so nicht auchh Verwundete im Dreißigjährigen Krieg  v e r a r z t e t  hat – ojeh! Afrika 2010.
Auf meine Frage, wer ihm das so ‚eingerichtet habe, sagt er: „Der Marabú“.
Nach der Begleichung der rückständigen Schulgebühren – Eltern schickten ihre Kinder mangels Geld nicht mehr zum Unterricht – und der Übergabe des Magazins werden wir dort zwei große Ökoherde aufstellen – für die Schulspeise, samt passenden Kesseln.
Und später im Jahr, nach Aussaat und Ernte, sollten auch die Frauen von Saaba ihre Alphabetisierung bekommen. In Gonsé und Bantógdo gehen die vom KONVOI gebotenen Kurse, parallel zum Tuchweben und Karitéseife-Kochen erfolgreich weiter.

(Dr. Rolf Pflücke, 12.3.2010)


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