08.02.2010 | Große Fortschritte in Saaba
Wo ist nur ein Schatten! Die Sonne glüht schon morgens um neun; das kleine Savannendorf Saaba ist wie ausgestorben. Zwei Männer schippen nassen roten Lehm in Formen und backen luftgetrocknete Ziegelsteine: Von jener Sorte, die dann beim zehnten Dauerregen ganze Strassen zum Einsturz bringt. Denn die – nur in der Sonne getrockneten – Ziegel lösen sich in der Nässe auf. Wie im September 2009, als ein zehnstündiger Wolkenbruch in der Hauptstadt Ouagadougou und den Nachbarorten 150.000 Menschen obdachlos machte.
An diesem Morgen planen wir in Saaba eine Ökoherd-Aktion; eine Art Road-Show, veranstaltet von drei ‚Animateuren’ der GTZ. Kaum sind wir da, kommt Leben ins
Dorf:
Die Kinder stürzen lärmend aus der Schule, die ‚Nazaras’ sind da, die Weißen! Die Lehrerin kann sie nicht bremsen. Zuletzt hatten wir aus Mitteln des KONVOIs drei Dutzend der ärmsten Kinder die Schulkosten bezahlt (rund 1000 €) und zwanzig weiteren zur Einschulung verholfen. Jetzt soll ein Anbau Platz für eine Schulküche und zwei große Ökoherde schaffen. Ein paar Frauen haben sich bereit erklärt, den weit zu Fuß kommenden Kindern mittags was zu kochen. 
Zwischenzeugnis: ‚Betragen 3’
Endlich Geld für die zwei Lehrer (li. Prosper Nikiema)
Der Journalist und Lehrer Prosper Nikiema hat die Dorfschule in eigener Initiative gebaut, weil der Staat in Saaba nichts tat. Aber die meisten Familien sind zu arm, das Geld (30 €/ Jahr) für die Schule zu bezahlen. Und für Lehrmaterial, Essen oder gar Schuluniformen reicht es schon gar nicht.
Doch die Kinder sind ehrgeizig, wollen unbedingt lernen. So wie ihre Mütter, für deren Abendkurse und Alphabetisierung wir das Solardach auf einen Klassenraum setzten. Mit großem Ehrgeiz holen die Frauen nun nach, was ihnen als Mädchen verwehrt war: Lesen und schreiben. 
Beschaffen von Ökoherden
Und wir nützen die Gelegenheit, ihnen mit Unterstützung der GTZ Ouagadougou eine Schulung im Energiesparen zu geben. Denn da sie alle noch wie vor 5000 Jahren auf drei Steinen kochen wird viel Feuerholz verpufft und die Savanne unaufhörlich weiter abgeholzt. Sie lernen nun, wie man ökologisch und sparsam kocht – und dabei noch Zeit und Geld spart für die Familie.
Die meisten Frauen sind zuerst skeptisch: Womit die neuen Herde denn bezahlen?
Animateurin Leocadit T. GTZ, Eschborn
Doch als wir ihnen unser Prinzip erläutern–der KONVOI zahlt zwei Drittel, die Frauen eines – sind sie dabei. Für ein, zwei Euro kriegen sie nun einen ‚Roumdé’ (in Moré = die ‚Lieblingsfrau’).
Die beiden ‚Animateurinnen’ der GTZ machen gute Arbeit. Verbinden die Herdshow mit der Zubereitung eines Essens, einer kräftigen Fleischsuppe, Maisknödeln mit Soße und einem vitaminreichen Karottensalat. Ein zweifacher Lerngewinn für die Frauen, die sonst immer nur Hirsebrei kochen.
Am Ende bestellen die 38 Frauen zusammen – 104 Herde! Wir sind sprachlos und müssen nun erst einmal prüfen, ob sie die Doppel- und Dreifachbestellungen für Verwandte machten (okay!) – oder irgendein Nebengeschäft damit planen. Denn gewitzt sind sie, die Damen!
Wie auch immer: jeder Energiesparherd kommt der Savanne zugute. Und mehr als 350 € wird die Aktion den KONVOI nicht kosten. Wenn dann künftig (hopefully!) ein ganzes Dorf umweltfreundlich kocht!
Zum Ausdruck unserer Freude schenken wir dem Frauenverein am Ende einen großen Herd samt passendem Kessel für die Schule; damit die Kinder (s.o.) ihr tägliches Essen bekommen.
Die Leute von der GTZ haben noch eine weitere Idee: Saaba ist ein Dorf der ‚forgerons’ – der Schmiede und Schlosser. Also könnte man vor Ort ein, zwei talentierte Burschen zur Herdschmieden ausbilden, die dann selber für Nachschub und Reparaturen sorgen. Und sie würden dann auch unsere Solaranlage warten, den ganzen Stolz des kleinen Ortes.

Passé: Kochen auf drei Steinen
Als nächstes bekommt Saaba einen Esel samt Eisenkarren: Mit 30 weiteren Gespannen von einer Münchner Gruppe im DAS gestiftet – aus dem Erlös ihrer Weihnachts-Auktion. Der Sprecher des örtlichen Elternvereins will für Stall und Futter sorgen. Und ein Bursche soll damit künftig das Wasser für die Schule und Baumaterial für das Magazin ankarren. 
Solarstrom für die Schule
Auch für die nötigen Fahrten zu und von den Märkten der Stadt ist nun gesorgt. Schon e i n Eselsgespann erleichtert den Leuten das mühsame tägliche Leben.
Gemäß unserem Leitspruch: Viele kleine Schritte führen weiter, als einSprung in die falsche Richtung.
(Dr. Rolf Pflücke – Februar 2010)