28.01.2010 | Gonsé – Lust auf wilde Linsen und Hirsebrei?

All diese offenen Herdfeuer: drei Steine und Kessel darauf; so kocht man in Afrika seit 5000 Jahren. Nun soll das in Gonsé anders werden.Gons   Bild1 0110
35 ausgesuchte Frauen haben mit Freude – und der Unterstützung des KONVOIS – ihre Alphabetisierung begonnen. Im Anschluss daran wollen sie nun lernen, Abwechslung in die fade ‚Küche’ zu bringen. Jeden Tag Tó, also Hirsebrei, das verdrießt selbst den besten Gespons.
So hat Lehrer Leonard, ein Sprecher des Dorfes (der auch im Gemeinde und
Regionalrat sitzt), mit den Ehemännern einen Deal ausgehandelt:
Sie erlauben ihren Frauen eine Teilnahme an den Kursen (ja, das müssen hier die Machos abnicken!) und dafür kriegen sie künftig was besseres auf den Tisch.
Zum Beispiel Reis mit Erdnuss-Soße; oder geröstetes Maniokmehl, wilde Linsen und Trockenfleisch. Auch aus Maismehl, Yams und Auberginen, Okraschoten, grünen Bohnen und Soumbala-Würzkugeln lässt sich eine Menge machen. Wir müssen von allem ein bisschen kosten – wie lecker! (Die Eingeweide lassen grüßen!)Gons   Bild2 0110Gons   Bild3 0110Gons   Bild4 0110
Wie wär’s mit wilden Linsen mit Maniokbouletten. Mit Flussfisch zum Hirsebrei? Oder eine Karité-Suppe zum Durstlöschen?
Während das alles vor sich hin brutzelt bittet Mr. Leonard die Frauen um eine Demonstration des Gelernten. Wir sind etwas verlegen, denn hat das nicht was von Pennäler-Pauke? Aber die Frauen antworten entspannt und fröhlich: Drei mal fünf ist fünfzehn; Vier Plus sechs zehn. Sie haben das natürlich schon vorher gewusst: schließlich ist alle drei Tage Markt, da kaufen sie Tomaten und Soumbala-Kugeln. Doch – warum nicht mal zeigen, wie ernst man das Ganze nimmt. Schließlich haben die Weißnasen ja noch vieles vor im Dorf.
Seit die Solarpaneele auf der Schule Licht für Abendkurse spendet sind die Frauen wild entschlossen, ihre Chance zu nutzen: Nach dem ersten Alphabetisierungskurs wollen sie nun Handwerke erlernen: Seife aus Karité-Früchten kochen, Körbe aus Hirsestroh flechten oder sonst was.Gons   Bild5
M.Leonard: Wieviel ist fünf mal drei?
Wir machen dabei eine interessante Entdeckung: Da die Männer erst einmal zugestimmt haben, sind die Frauen wie befreit. (Lehrer Leonard sagt mir hinter vorgehaltener Hand: „Ich weihe den Ortsrat in alles ein, damit keine bösen Gerüchte aufkommen!!“) Denn in der Savanne gilt noch immer das ‚Gesetz des Althergebrachten’. Frauen gehören an den Herd und in die Hütte. Viele Mütter lassen noch heimlich ihre kleinen Töchter beschneiden. Und die Männer sehen sich als Gralshüter dieser (Un-) Sitten. Die Unterwerfung der Frauen stärkt ihre Pascha-Rolle: Machos der Savanne.Gons   Bild6

Leonard und Vertreter des CvD – des Ortsrats
In dieser entlegenen Welt ohne elektrischen Strom, Radio, Fernsehen ist das ‚Wir-Gefühl’ noch sehr intakt. Nichts tun die Frauen lieber, als miteinander plauschen, gleich ob beim Wasser holen, Kochen und miteinander werkeln. So ist die vom KONVOI der Hoffnung organisierte ‚Frauenschule’ für sie wie ein tägliches Fest. Sie werfen sich ihre schönsten Kleider über, binden die Babys auf den Rücken – los geht’s.

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König und Ältestenrat
Auch der Naaba, der ‚traditionelle’ Herrscher des Dorfes und der umliegenden Ländereien, hat seine Zustimmung gegeben. Wir statten ihm zwei Besuche ab und lauschen seinen Erzählungen. Er hatte in Indo-china und im Algerienkrieg auf Seiten der Franzosen gekämpft – nicht gerade zu seinem Besten. Die bösen Gedanken ertränkten wir in Hirsebier.
Das Hin- und Her zwischen den alten und den neuen – 2006 gewählten – Autoritäten macht die Entwicklungsarbeit nicht leicht. Die Leute von der GTZ und dem DED, ja alle internationalen Geber können ein Lied davon singen. Die alten Dorfchefs sind oft schlimme ‚Veto-Player’. Wir erklären dem kleinen König unsere Pläne: Nach dem Solardach und der Frauenschulung wird eine Ökoherd-Demo stattfinden: alle Frauen wollen auf ein zeitgemäßes Kochen umstellen, um Zeit und teueres Feuerholz zu sparen. Zufriedene Frauen…                          Gons   Bild8 0110 Gons   Bild9 0110 Gons   Bild10 0110…und ihre neuen Kochkünste

In dernächsten Trockenzeit soll die Alphabetisierung weitergehen: Kurs zwei, einfaches Lesen und Schreiben.
Am Ende führen uns die Männer vom Ortsrat zu einem halbfertigen Bau – das sollte einmal das ‚Centre des Réunions’ werden, eine Art ‚Bürgerhaus’, in dem sie sich alle treffen.                 Gons   Bild11 0110 Rohbau – bald ein Bürgerhaus ?

Da die (solar-) beleuchtete Schule auch abends von den Kindern belegt wird fehlt für die Schulung und die Handwerkskurse ein Gebäude. Mit 2000 € wäre das alte Haus fertigzubauen. Ich lege das Gesicht in Falten und verspreche, beim KONVOI nachzufragen. Vielleicht findet sich ein großmütiger Spender.

Dr. Rolf Pflücke, 21.1.2010


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