04.01.2010 | Silvester in Burkina Faso

Silvester in der Savanne? Der Jahreswechsel wird hier kaum zur Kenntnis genommen, es ist ein Tag wie jeder andere. Die Schule hat seit Weihnachten geschlossen, die Kinder sind – wie alle im Land – in Ferien. Für Lärm sorgt an diesem Morgen allein eine Gauklertruppe, die hupend durch die Dörfer zieht, von einer Horde Halbwüchsiger verfolgt. Il faut payer, „zahl was!“, rufen sie, als ich knipse.

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Stephane Souly, der Apotheker aus Pforzheim (Bild unten – links), besucht in diesen Wochen seine Familie; er ist in Bantogodo geboren, seine alte Mutter und einige Geschwister leben da. Er hat sich diesmal viel vorgenommen: mit dem Bürgermeister soll der Bau zwei weiterer Brunnen geklärt, ein Stellplatz für den vom KONVOI gestifteten Ambulanz-Mercedes geschaffen und die Frauenbildung fortgesetzt werden.

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Formation des femmes: Im November hatten wir 40 Frauen ausgesucht, vier Webstühle gekauft und zwei Gewerbelehrerinnen aus der Hauptstadt bestellt, die den ‚Schülerinnen’ zeigen sollen, wie es geht. Die eine Gruppe lernte also weben, die zweite Karité-Seife sieden.

Hilfe zur Selbsthilfe, im besten Sinn des Wortes; denn die fertigen Produkte sollen auf den Markt gebracht, den Frauen eigene Einnahmen sichern. Bisher kriegen sie ja jeden Cent von ihren Männern und sind somit von deren Gunst total abhängig.
Wie schnell sie lernen: Sie führen es uns an diesem Morgen vor. Baumwolle gibt es im Überfluss auf den Feldern von Burkina Faso. Sie bürsten die Fasern, richten sie aus und  zwirnen sie zu langen Fäden. Die färben sie dann – nicht anders als einst die Mayas in Mexiko oder die chinesischen Seidenspinner lang vor unserer Zeit. Am Anfang hatten sie Mühe mit dem ‚Schiffchen’, das die beiden Fadensysteme verkreuzt. Doch jetzt klappt es. Die Muster sind einfach, aber solide. Die ersten gewebten Decken und Tücher wurden bereits mit gutem Gewinn auf den umliegenden Märkten verkauft, Dutzende neuer Bestellungen angenommen.
Und weil jedes gute Beispiel Schule macht möchten sie jetzt fünf weitere Webstühle kaufen, jeder kostet rund 120 €. Denn viele andere Frauen im Dorf wollen nun auch mitmachen.
Im Unterschied zum Weben ist das Seifesieden einfach und schnell. Die zweite Frauengruppe führt es uns in der alten Schule vor. Rohmaterial (Karité-Nüsse) gibt es genügend in der Savanne, man muss sich nur mit den Besitzern der Bäume einigen. Entschalt wird das Fleisch der Nüsse aufgekocht, mit Natronlauge und Duftstoffen vermischt, in Formen gegossen und über Nacht unter einem feuchten Tuch abgekühlt. Fertig ist die Seife. Auch dazu ist eine Berufsschullehrerin aus Ouagadougou angereist, nach vier Abendkursen können es die Frauen selber.

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Die fertigen Würfel finden auf dem Dorfmarkt reißenden Absatz. Denn Seife wird hier weniger für Hände- und Körperhygiene als zum Wäschewaschen benutzt. Zufriedene Gesichter auch hier. Die Utensilien wie Eimer, Rührstöcke und Formen beschaffen sie mit den Einnahmen selber.
Das T-Shirt der Lehrerin trägt die sinnige Botschaft: Happyness is yelling, auf Deutsch: Das Glück schreit nach Dir! (Aber das bleibt der Trägerin ja verborgen).
Was kann der KONVOI im neuen Jahr zum Glück der Leute von Burkina beisteuern? Zweihundert weitere Augenkranke warten auf ihre Laserbehandlung oder im Fall der Trachom-‚Blinden’ auf eine rettende Operation (zusammen 700 €). Wie auch Tengso Naaba, der alter Dorfchef (Bild unten).

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Die Maternité hat endlich ihr neues Entbindungsbett (Foto folgt), aber die Babys erblicken nachts noch immer das Licht der Taschenlampen, nicht der Welt. Eine  Mini-Solaranlage (40-Watt) auf dem Dach wäre vonnöten (500 €).
Dann der Schulgarten und ein paar Fahrräder für weit entfernt wohnende Kinder. Fünf zusätzliche Webstühle, der Stellplatz für den gespendeten Krankenwagen – die Liste ist lang.

(Dr. Rolf Pflücke, 2.1.2010)


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