17.12.2009 | Frauenpower in Saaba
Das Mädchen in der vorderen Schulbank der zweiten Klasse: aufgeweckt, neugieriger Blick. Als ich die Kinder frage, was sie mal werden wollen, hebt Fatima als erste den Finger: „Polizistin“. Klar, beim Staat bekommt man Essen, Kleidung und Unterkunft gratis. Für die Eltern dieser armen Kinder gibt es nichts Wichtigeres.
Wir sind in der kleinen Dorfschule von Saaba, östlich von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Drei Klassenzimmer, aus Lehmziegeln erbaut, mit billigen Wellblech gedeckt. Saaba ist binnen weniger Jahre aus dem Nichts entstanden. Ein typisches Zuwandererdorf – ohne Wasser, Strom und Krankenstation. Eine wilde Siedlung also.
Die 450 Einwohner sind zumeist Schmiede, in Burkina Faso ist das eine angesehene Zunft – doch sie leben von Gelegenheitsarbeiten. Ihre Hütten sind erbärmlich, nackte Lehmwände, offene Fensterhöhlen, ein billiges Blechdach. In den Sommermonaten unerträglich heiß, im Winter bei Nacht bitter kalt. Brutstätten von Ungeziefer und Krankheiten.
Freund Prosper hatte uns eines Morgens dorthin geschleppt – mit einem Hintergedanken, wie sich zeigte. Die Schule hatte er mit ein paar Dorfbewohnern und einem Bankkredit von 2000 € eigenhändig gebaut. Nun aber war ihnen das Geld ausgegangen. Es reichte gerade noch für ein billiges Blechdach und ebenso einfache Fenster und Türen.
Die Dorfschule – aus Lehmziegeln
Die Eltern brachten mit Mühe das Geld zusammen – rund 30 € pro Kind fürs erste Schuljahr – dass drei Lehrerinnen angeheuert werden konnten; eine für jede Klasse. Die Kinder haben weder ein Pausenbrot noch Geld für Wasser. Doch mit leerem Magen studiert sich’s auch hier nicht.
Freund Prosper kauft Schulhefte
Also fahren wir tags darauf noch einmal hin, im Auto drei Plastikfässer, 100 Trinkbecher und ebenso viele Schulhefte und Bleistifte. Mangels Schreibutensilien nutzen die Lehrerinnen Cola-Deckel zum Rechnen). Und wir hinterlassen genügend Geld, damit die Wassertonnen einen Monat lang täglich aufgefüllt werden können.
Die Mütter der Schulkinder sind überglücklich. Und sie gestehen mir ihren größten
Wunsch: „Monsieur, wir würden gern selber lesen und schreiben lernen und wenn
möglich auch einen Beruf: Seifeherstellen oder Tuch weben..“
Das gehe aber nur abends – weil sie alle tagsüber zuviel Arbeit haben. Mit anderen Worten: Die Schule brauche einen Raum mit elektrischem Licht.
Zurück in der Hauptstadt rufe ich einen Elektriker an und bitte ihn um den
Kostenvoranschlag für ein simples Solardach: eine Paneele, 40 Watt,
Transformator und Batterie für drei Energiesparlampen. Es ist billiger als ich dachte: rund 500 €. Stromerzeuger mit Diesel sind jetzt out in Afrika, denn Solarenergie tut’s ohne laufende Kosten und Mühen. Diesel müsste ja ständig im Eselkarren beigeschafft werden. Außerdem schont Solarenergie die Umwelt.
Dazu die Kosten für eine Grundschul- und eine Gewerbelehrerin (vier Monate), alles zusammen etwa 1000 €.
Das Solardach und die Energiesparlampen könnten bis Mitte Dezember montiert werden, die Abendschule für die 25 Frauen noch vor Weihnachten beginnen. Sie würde bis Mai dauern, bis zur nächsten Regenzeit; danach sind die Frauen wieder bei der Aussaat auf den Feldern .
Wir möchten sie bei der Alphabetisierung und gewerblichen Schulung unterstützen, um ihren Familien die Existenzgrundlage zu sichern.
Das könnten wir mit mehr Hilfe auch in den ebenso armen Nachbarorten. Denn überall drängen die Frauen heute in die Schulen, wollen lesen und schreiben lernen und Handarbeiten wie Weben und Seifesieden. Doch nirgendwo in der Savanne gibt es Mittel und Einrichtungen dafür.
(Dr. Rolf Pflücke, 7.12.09)

