05.12.2009 | Bildung hat Vorfahrt in Afrika

Die Savanne ist üppig grün nach der Regenzeit; und die ockerfarbene Erdstrasse, im Mai noch breit wie eine Ufo-Landebahn, ist jetzt beiderseits von Sträuchern eingeengt und schmal. Die Bauern bringen die letzte Hirse in die Speicher; die Ernte war dieses Jahr recht gut.

In Gonsé, dem ersten Ort auf dem Weg nach Bantougdo erwartet mich Francoise Souly; Zweite Leiterin des Frauenvereins von Bantougdo. Sie ist – typisch
Städterin – sehr elegant gekleidet. Mit ihr im Auto die Vorsitzende der „Association des Femmes“ und eine Gewerbelehrerin. Ein erstes Treffen „lernwilliger“ Frauen soll stattfinden.

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M Francoise (li), Lehrerin, Leiterin des Frauenvereins

Doch zuerst erweisen wir dem Dorfchef unsere Reverenz. Der Alte war zuletzt wegen einer Krankheit monatelang in der Stadt; jetzt ist er zurück und offenbar genesen.
Er empfängt uns würdevoll – im weißen Boubou, einen bunten Fez auf dem Kopf.
Ein faux-pas, daß ich einfach auf ihn zugehe und wie ein Weltbürger freundlich die
Hand schüttle? Die Umgebung hat so gar nichts majestätisches: Lehmhütten, Hühner und ein paar streunende Kinder.

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Der ‚Chef du Village’.

Die Frauen machen es höfischer als ich; aber sie leben ja auch in einem Land voller Könige. Knicks, Verbeugung, ein paar untertänige Worte. Mir verwirrt es – wie allen weißen ‚Donors’, die hier helfen wollen – oft die Sinne. So viele Autoritäten – und für jede einen passenden Rat: Den Bürgermeister nicht vergessen; er würde es übel nehmen.
Wenn ein Präfekt da ist, auch ihn aufsuchen. Am besten zuerst das ‚traditionelle’ Oberhaupt, den Dorf-Chef (eine Art Häuptling, der bei Landvergaben und Hochzeiten das Wort hat). Ach, und die Präsidentin des Frauenvereins, den Chef des Comités und den Direktor der Krankenstation…Ufff!

Seit dem letzten Besuch hat sich was getan. Die beiden Schulen, deren Dächer im Juli der Sturm wegtrug sind – auch dank unserer Reklamationen – von der UNICEF erneuert worden; die eigenen Mittel hätten dafür nicht gereicht.
Nächste Woche kann dort der Unterricht wieder beginnen. Die einst verlassene alte Schule ist nicht mehr zu erkennen:

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Wie neu: die alte Schule
Die neuen Fenster, Türen, ein frischer Anstrich, gar eine Veranda – da hat der KONVOI tolle Arbeit geleistet. Drei weitere Klassen der Oberschule fanden so Platz; in jedem Raum rund 50 Kinder.

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Direktor Soulouga, der Zwei-Meter-Mann, ist froh; nur eine Sorge treibt ihn um, wohin soll man die vielen ABC-Schützen stecken, immer mehr Kinder werden zum Unterricht angemeldet. Vorübergehend hat man sich dazu entschlossen, auch im Freien zu unterrichten. Ein weiteres Schulgebäude muss her: doch da soll sich nun Bürgermeister Kaboré ins Zeug legen. Schließlich sind 2010 Kommunalwahlen – und er wird wieder antreten.

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Unterricht im Freien
Im Schatten vor der Oberschule warten zwei Dutzend Frauen. Francoise Souly hat sie eingeladen. Sie möchte Kurse im Weben anbieten und in der Herstellung von Karitébutter und –seife.

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Kartitébäume gibt es überall in der Savanne. Sie brauchen 50 Jahre bis sie ordentlich Nüsse tragen – und die werden gern zu Pflegefetten und Butter verarbeitet. Für viele Frauen, die ja sonst kaum Einkünfte haben, ein lohnender Nebenerwerb.

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Karité:  Butter und Seife

Am 30. November hat nun die Alphabetisierung und parallel die Berufsausbildung für die erste Frauengruppe begonnen.

(Bantougdo, November 2009, Dr. Rolf Pflücke)


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